28 Patienten und Rotkreuzhelfer kamen in den Flammen um, zwei Ambulanzen, alle Zelte und chirurgischen Instrumente, das gesamte Sanitätsmaterial und die Nahrungsvorräte wurden vernichtet. Bereits am 6. Dezember hatten italienische Bomber das Adventisten-Hospital von Dessie dem Boden gleich gemacht und bei ihrem Angriff rund 50 Menschen getötet. In trübster futuristischer Manier pries der Kampfpilot Vittorio Mussolini, ein Sohn des Diktators, die Bombardements als bewegendes Schauspiel - tragisch zwar, aber von großer Schönheit. Im Übrigen sei der Abessinier ohnehin nur "ein Tier".

Auch Literaturnobelpreisträger Pirandello spendet für den Krieg

So bombten sich die Italiener den Weg nach Addis Abeba frei. Am 5. Mai 1936 zog Marschall Pietro Badoglio an der Spitze eines langen Militärkonvois in der Hauptstadt ein, die Kaiser Haile Selassie drei Tage zuvor verlassen hatte, um nach England ins Exil zu gehen. Die Siegesnachricht versetzte das Mutterland in einen kollektiven Freudentaumel. Kein Krieg, den das Königreich seit seiner Einigung geführt hatte, war so populär. Die große Mehrheit der Bevölkerung stand geschlossen hinter der Politik des Duce, ohne allerdings über den Gaskrieg und die begangenen Kriegsverbrechen voll im Bilde zu sein.

Viele junge Männer, darunter mehrere Prinzen aus dem Hause Savoyen, Graf Galeazzo Ciano und der jüngst verstorbene Starjournalist Indro Montanelli, hatten sich freiwillig zu den Waffen gemeldet. An der giornata della fede spendeten Zehntausende Italienerinnen ihre Eheringe und prominente Schriftsteller wie Luigi Pirandello und Gabriele D'Annunzio goldene Orden für das Vaterland.

Auch die Geistlichkeit war gern dabei und segnete Soldaten und Waffen.

Kardinal Ildefonso Schuster, der Erzbischof von Mailand, pries den Krieg, der dem katholischen Glauben und der römischen Zivilisation für einen blutigen Preis die Tore Abessiniens öffne. Nuntius Angelo Roncalli, der spätere, viel geliebte Papst Johannes XXIII., schrieb seinen Verwandten aus Athen: "Wie dem Duce alles gelungen ist, ein Punkt nach dem andern, eine Schlacht nach der andern, ohne Rückschlag oder Unterbrechung, verleitet einen beinahe zu glauben, eine himmlische Kraft habe Italien geleitet und geschützt.

Vielleicht war es der Lohn dafür, dass er mit der Kirche [in den Lateranverträgen, 1929] Frieden geschlossen hat."