Fröhlich sehen sie nicht gerade aus, die drei Mitglieder der amerikanischen HipHop-Gruppe De La Soul, wie sie im Booklet ihrer neuen Platte Art Official Intelligence: Bionix (Tommy Boy TBCD 1362/Eastwest) aus ihren Raumfahreranzügen schauen: neues Millennium, neue Probleme. "It's not where you at, it's where you go", rappen sie in Abwandlung der alten HipHop-Parole "It's not where you from, it's where you at". Und das kann man wörtlich nehmen. Denn wohin geht es, wenn man die dreißig überschritten hat? Immer öfter nach Hause, wo die Familie wartet. Die Tochter möchte erklärt bekommen, wie eigentlich das Elend in die Welt gekommen ist, und die Freundin verlangt, dass nun endlich Schluss sein müsse mit den ewigen Tourneen.

Nun ist das Leben als vollgültiger Erwachsener tatsächlich kein Thema, dem sich HipHopper bisher ernsthaft stellen mussten, schon aus dem einfachen Grund, dass es kaum ein Künstler schafft, länger als drei oder vier Jahre im Geschäft zu bleiben. Auch die zentrale Wichtigkeit, die Themen wie Geld zählen, Frauen abschleppen oder mit großkalibrigen Handfeuerwaffen herumfuchteln im HipHop genießen, steht einer Beschäftigung mit den Konsequenzen des Familienlebens entgegen. Doch die Musik von De La Soul war schon immer eher den klanglichen Möglichkeiten des Genres verpflichtet als dem realen oder imaginären Bezugsraum der Straße - vielleicht können sie sich deshalb glaubwürdiger als irgendjemand sonst im notorisch verkifften HipHop der Frage stellen, die wahrscheinlich alle Eltern früher oder später beschäftigt: Wie verhalte ich mich, wenn ich meinen Sohn mit einem Joint erwischen sollte?

In fast schon brechtscher Manier bauen sie die Frage zu einem Lehrstück über Gruppenzwang um, für das sie mit B-Real den größten Hanfpropagandisten des HipHop als Gastrapper einladen. Ein dialektischer Überschlag, der so wahrscheinlich nur einer Gruppe wie De La Soul gelingen kann. Ganz ähnlich nehmen sie den Umstand auf, als Familienväter am Sonntag in die Kirche gehen zu müssen: Mit der Kunstfigur des Reverend Do Good, der in kleinen Hörspiel-Einlagen über die Themen Liebe, Jesus und der Teufel predigt, schließen sie ihre Platte mit den Gospelwurzeln der afroamerikanischen Musik kurz und integrieren den Kirchgang kurzerhand in ihr Bildungsbürger-HipHop-Universum - sehr zum Vergnügen jeder Art von Hörer. De La Soul mögen etwas verdattert dreinschauen: Spaß haben sie immer noch.

Mittlerweile meinen sie es bloß ernst.