Am anderen Ufer der Spree gluckt schwerfällig der Palast der Republik, vom Asbest befreit hockt er auf dem Schlossplatz und kostet nur noch Geld. Auch das Rote Rathaus ist nahe dran an Marx. Und vom Kapital entfernter denn je.

Hier kratzen Gysi und Wowereit derzeit die fehlenden Milliarden zusammen.

Woher nehmen? Versuch mal, 'nem nackten Mann in die Tasche zu greifen, sagt man dazu in Berlin.

Wer den Überblick verloren hat, muss auf den Fernsehturm. Der steht am Alexanderplatz, hier ist der Osten, wie man ihn kennt. Trotz Kaufhaus und Rummel, ein zugiger Platz, tagsüber belebt durch Passanten, Käufer und Straßenbahnen, abends besetzt von Pennern, Punks und Polizisten. Kurz hinterm Alex hat sich der Osten längst verabschiedet. Kein Mensch wähnt sich noch in Ostberlin, wenn er die Hackeschen Höfe besichtigt. Hier verliert er die Richtung. Das ist die neue Mitte Berlins. Noch ohne Symbolik. Pariser Platz, Unter den Linden, Friedrichstraße. Das soll Osten sein? Kaum. Hierher kam das schnelle, junge Kapital und hat die Gegend erobert. Das Geld hat die Stadt verändert, und der Westen sah mancherorts ziemlich hässlich aus, langsam und alt.

Wo ist Berlin am östlichsten? In Pankow? Wo einst die Regierung wohnte, bevor sie in die Waldsiedlung Wandlitz zog, als "Pankower Machthaber". Pankow, das klingt auch wie Punk. Einer Rockband gefiel der Doppelklang, als sie den Namen vor zwanzig Jahren für sich entdeckte. Zur gleichen Zeit, als ein paar mutige Pankower in der Kirche ihren widerständigen "Friedenskreis" gründeten, der alsbald zum bevorzugten Objekt der Staatssicherheit wurde.

Beim Treffen nach zwanzig Jahren sagt Wolfgang Thierse trotzig: "Wir können vom Westen nichts mehr lernen - nur wissen das viele noch nicht."

Pankow jedenfalls sollte verschwinden, als die Bezirke zusammengelegt wurden.