Und der neue Bezirk, wie sollte der heißen? NO für Nordost? Prenzlauer Berg/Weißensee? Dritter Bezirk? Pankow? Niemals! Wer sich in Prenzlauer Berg als Befürworter Pankows outete, dem wurde die Freundschaft gekündigt. Dritter Bezirk, diesen Vorschlag konnte nur machen, wer keine Ahnung von Ostberlin hat. Zu nichtssagend, zu versöhnlerisch. Ohne Bedeutung. Am Ende stimmten die Abgeordneten für - Pankow. Selbst prominente Interventionen wie die von Thierse nutzten nichts. Punkt für die PDS.

In Prenzlauer Berg ist man großzügig. Hier sagt niemand, er wohne in Pankow.

Hier kann jeder sein, wie er will. Und reden auch.

Berliner bevorzugen bekanntlich den Dativ. Verona Feldbusch ist keine Berlinerin. Das muss betont werden. Selbst wenn vor Gott und Fontane eigentlich jeder Mensch ein Berliner ist - auch Großzügigkeit hat ihre Grenzen. Sie liegen im Wörtchen "eigentlich". Ein Hinterhalt, der so viel meint wie: Im Prinzip kann jeder Berliner sein. Nicht weniger, nicht mehr. Im Prinzip ist es im Osten berlinischer. Hier wird der Originaldialekt gesprochen, sagt die Wissenschaft. Hier darf auch berlinern, wer an der Uni war. Und zwar ungestraft.

Wo ist Osten? Zum Beispiel da, wo die Volksbühne steht. Trotzig leuchten die drei Buchstaben von ihrem Dach: OST. Der Platz hieß nach Horst Wessel, jetzt nach Rosa Luxemburg. Der PDS-Parteivorstand liegt nahebei. Zufall, Folklore?

Die Volksbühne hat einen Grünen und einen Roten Salon. Im Osten hört man (auch) die alten DDR-Bands. Selbst wohlmeinende Westfreunde müssen sich schütteln: Aufgeschäumter Eunuchen-Rock. "Dabei seid ihr doch schon zwölf Jahre dabei!", lautet der Standardsatz. Der Osten genießt den Moment, wenn der Westen leidet. Kleine Siege in der neuen Zeit.

Currywurst in Stoffserviette