Schweiß auf einem Boxerrücken, auf Muttermalen, Haaren, Tattoos, darunter Muskeln, die einen Sandsack bearbeiten, und dazu bulliges Gestöhn - Sport kann fies sein, aber auch packend, zumindest in der Videoinstallation Boxer (1998) von Tamara Grcic. Wenn einen die Reproduktion motorischer Abläufe derart raumfüllend anspringt, bekommt man eine Ahnung von Blut, Tränen und was sonst so ausgeschüttet wird beim Fest der Triebkräfte. In jedem Fall Adrenalin, denn alles erregt sich. In der Nürnberger Ausstellung Sport in der zeitgenössischen Kunst zeigen 14 internationale Künstler, dass sie hingeschaut haben: beim Kraulen, Kicken, Catchen (Kunsthalle, bis zum 3.

Februar 2002). Sport wirkte schon immer wie ein relativ sinnfreies Treiben.

Vor allem im Ausschnitt, Close-up, Filmstill gleichen viele Athleten einem Sisyphos, dem nichts zu blöde ist für Ruhm, Geld und ein wenig Selbstwertgefühl. Aber ist eh alles Metapher: Wettkampfritual, der Wille, die Rolle, das Ideal. Wissen wir längst aus der Theorie und stehen gleichwohl staunend vor den Tintendrucken von Tracey Moffat. Fourth (2001), immer nur den Viertplatzierten, hat sie auf Bildern der letzten Olympiade eingefärbt.

Da bricht nichts hervor, sondern es bleibt drin: Enttäuschung, Verstörung, der Drang, sofort den ganzen Bettel hinzuschmeißen. Wenn der Ehrgeiz erlischt, der grimassierende, entstellende, ist auf manches Gesicht nur noch Selbstvergessenheit gemalt. Und die ist am schönsten.