Berlin

Sie könne allen sagen, es werde "alles gut", hat Angela Merkel in laufende Kameras hinein beteuert, und sie weiß ihre Worte zu wählen. Gut würde "alles" nur, wenn sie sich entschlösse, auf eine Kandidatur gegen den Kanzler zu verzichten, um Edmund Stoiber den Vortritt zu lassen. Nur Stoiber kann für sich geltend machen, dass keiner ausdrücklich davor warnt, mit ihm ins Rennen zu gehen. Das gilt für sie nicht.

Ausgerechnet mit der liberalen CDU hat Angela Merkel nun ein Problem. Für die unangenehme Überraschung sorgen nicht die Südwestdeutschen oder die Konservativen, sondern "liberale" Parteifreunde. Der saarländische Ministerpräsident ist der herausragendste unter ihnen. Es ist keine Nebensache, und so hat es die CDU-Vorsitzende auch nicht empfunden, dass nach dem schönen Parteitag mit den hübschen Schweigegeboten Peter Müller zur Kandidatenfrage geplaudert hat. Der Saarländer zöge den Bayern vor. Ähnlich gilt das für Christian Wulff, den Hannoveraner, auch er einer der "Liberalen". In der Bundestagsfraktion, die sich ohnehin mit breiter Mehrheit für Stoiber entscheiden würde - während die Partei bei einem Plebiszit wohl eindeutig Merkel befürworten würde -, finden sich gleichfalls "liberale" Christdemokraten mit Stoiber-Präferenz. Andere, die zu den natürlichen Helfern zählen müssten wie Maria Böhmer, die Vorsitzende der Frauen-Union, hüllen sich in Schweigen.

Heimliche Spekulationen

Nicht alle "Liberalen" sind eingeschwenkt. Aber das friendly fire schmerzt besonders. Merkels Kandidatur ist streitbesetzt, die von Stoiber offenbar nicht. Die "liberale" CDU sträubte sich 1979 lange gegen Strauß und der (erfolgreich) gegen Kohl samt Albrecht. Dann mussten alle antreten zur Strauß-Unterstützung! Insgeheim aber, der Mensch ist kein Engel, dürfte mindestens Helmut Kohl gerechnet haben: Wenn Strauß verliert, ist die Macht- und Kursfrage beantwortet.

Gibt es solche heimlichen Spekulationen auch in der "liberalen" CDU heute?

Engel sind die Menschen immer noch nicht. Steht Merkel für "liberale Mitte" und Stoiber für "rechts"? Er schätze den Turbo-Kapitalismus nicht, gibt einer aus dem Unionslager zu bedenken, aber ihm sei Friedrich Merz in der Rolle des Turbo-Kapitalisten doch lieber als "irgendein Wischi-Waschi".