Das Gerücht ist schon so lange in der Welt, dass es die, die es vernahmen, kaum mehr beunruhigte. Nun ist es traurig wahr geworden: Der Haffmans Verlag ist pleite.

Trauer ist durchaus am Platz. Schließlich ist der Verlag, der seit 1982 rund 700 Titel unters Volk brachte, als eine der glanzvollsten Nachkriegsgründungen für deutschsprachige Literatur aufgetreten. Die Neue Frankfurter Schule wurde hier gebaut, mit Robert Gernhardt als Gründungsmitglied. Dazu gesellten sich F. W. Bernstein, Max Goldt, Eckhard Henscheid, Gerhard Polt, Hans Wollschläger. Gern verstanden sie ihr Tun als Gegenprogramm zur großen Suhrkamp-Kultur.

Und: Die Gründer Gerd Haffmans, der Verleger, und Urs Jakob, der Geschäftsführer, verzauberten ihre Leser mit aufwendig gestalteten und hergestellten Neueditionen und -übersetzungen oder Werkausgaben von Klassikern: Joseph Conrad, Arthur Conan Doyle, Gustave Flaubert, Rudyard Kipling, Edgar Allan Poe, Arthur Schopenhauer (Haffmans' "Hausheiliger"), William Shakespeare und Oscar Wilde lebten wieder auf. Wie auch Laurence Sterne oder Arno Schmidt.

Obendrein gelang es Gerd Haffmans, angelsächsische Zeitgenossen der ersten Garnitur an sich zu binden. Namen wie Julian Barnes, Norbert Harris, David Lodge oder David Sedaris sind schöne Belege.

Nur, sie alle kamen und verschwanden wieder, allzu oft allzu schnell. Gerd Haffmans hat lange versucht, diese Unruhe als Normalität zu verkaufen.

Erfolgreiche Autoren entwüchsen nun einmal kleinen Verlagen im Banne größerer Schecks. Doch oft entwuchsen sie auch im juristischen Streit. Nach Schätzungen stehen derzeit Honorare von über einer Million Mark aus.

Die Geschichte des Zürcher Haffmans Verlages ist eben nicht allein die Geschichte literarischen Glanzes, sondern auch die wirtschaftlicher Nöte.