Wie frei die Kunst und ihre Vermittler in ihren Zielen und Entscheidungen sein müssen, haben wir glücklicherweise lange nicht bedacht. Sie waren es ja, in der Praxis und laut Grundgesetz und von allfälligen Etatknebelungen mal abgesehen. So dachten wir, bis das Saarland uns eines Schlechteren belehrte.

Die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz verfehlte ihre Suche nach neuen Ufern, indem sie Ernst-Gerhard Güse, den Direktor des Saarland Museums, fristlos entließ. Der Kunsthistoriker Güse, seit zwölf Jahren im Amt, hatte sich unbequem geradlinig den Forderungen einer ehrgeizigen Kulturpolitik und wirtschaftlich einflussreicher Laien verweigert. Dass er sich damit gegen Freizeitkultur-Blütenträume von der SPD- wie von der CDU-Regierung wandte, kostete ihn seinen Posten und betrifft die deutsche Museumslandschaft generell. Dass dieses unter Mithilfe eines Kollegen-Gutachtens vonstatten ging, ist zusätzlich bemerkenswert: Wolf-Dieter Dube, der pensionierte Berliner Museumschef, hatte dem Land nicht nur populistische Vorschläge zur Belebung der Stiftung abgeliefert, sondern sich auch gleich als Generaldirektor empfohlen. Nun erhält Ministerpräsident Peter Müller viel Post. Zum Beispiel von deutschen und internationalen Museumsleuten, Kunsthistorikern, Künstlern und Kunsthändlern, die Güses Entlassung einen folgenschweren Irrtum nennen. Den Landesherrn mag das überraschen, doch wird er erkennen, dass er sich einen Fall eingehandelt hat. Der betrifft über die provinziellen Querelen hinaus das Fach, einen Berufsstand, und er trifft die Museen, die des Schutzes der Kulturpolitik gegenüber wechselnden politischen und wirtschaftlichen Interessen bedürfen.