Es gibt ja Städte, die werden völlig überschätzt. Monaco zum Beispiel. Boah ey, sagt jeder, dem man von einem Abstecher an die C'te d'Azur erzählt, und mit 'nem Hubschrauber hingeflogen!

In Wirklichkeit ist das Ganze ja nicht mehr als eine Art sozialer Brennpunkt für reiche Rentner, eine Betonwüste am Hang mit gerade mal 30 000 Einwohnern.

Und als wäre ihnen die abenteuerliche Verschandelung dieses im Naturzustand sicherlich allerliebsten Fleckchens Erde selbst peinlich, tut manche an den Berg gestelzte Straße so, als sei sie ein Haus. Potemkinsche Fassaden für den Mobilitätswahn zahlloser Steuerflüchtlinge.

Was soll man aus so etwas mitbringen? Einen Kaufvertrag für eine Wohnung vielleicht? Bei Quadratmeterpreisen von 50 000 Mark reicht es nicht mal für ein Katzenklo, und die letzte freilaufende Kreatur wurde sicher beim diesjährigen Grand Prix von Schumi & Co. erlegt. Also ein Formel-1-Andenken, etwas Gummiabrieb aus dem berühmten Tunnel? Geht nicht, eine von fast 2000 Überwachungskameras im Fürstentum würde den knieenden Souvenirjäger gleich fokussieren und den Sicherheitsdienst in Marsch setzen.

Dann etwas für den standesgemäßen Auftritt beim nächsten Kasino-Besuch, den neuen Prada-Zottelpulli (Tach auch, ich hab das Benehmen eines Yetis, und so sehe ich auch aus) oder ein Collier von Van Cleef & Arpels, die ihre Juwelenfiliale ehrlicherweise gleich im Hohen Tempel der Glücksritter untergebracht haben? Verschwendete Liebesmüh, die an den Spieltischen mumifizierten japanischen Fabrikantenwitwen, die balkanischen Mafiosi, die sich in ihren Sakkos aus Vorhangstoff immer noch benehmen, als trügen sie ihr Gemächt im Trainingsanzug aus Ballonseide spazieren, all die auf hohem Niveau Verkommenen haben schon lange keinen Blick mehr für das Äußere, für das eigene nicht und erst recht nicht fürs fremde.

Also lieber etwas Kleines aus dem monegassischen Kuriositätenkabinett, ein Andenken an den Postwahn, der den Grimaldis schön die Kassen füllt? Die offizielle Flaschenpostflasche zum Beispiel, 18 cl für 15 Franc, von der Post auf Hochseetauglichkeit geprüft und zugelassen? Nett gemeint, aber am Ende wird sie ja doch nur irgendein halb nackter Schwabbelbauch mit der Schraube seiner Monsteryacht vor Erreichen des offenen Wassers zerhäckseln.

Die Ehrenrettung des Souvenirstandorts Monaco kommt aus Japan und heißt Gyotaku, Fischdruck. In einer aufwändigen Prozedur wird von echten, freilich toten Fischen eine Art Frottage auf schönstem Japanpapier angefertigt, das Ergebnis sind filigrane, atemblasenzarte Stilleben, perfekt bis in die letzte Schuppe. Noch bis zum 7. Januar 2002 zeigt das wunderbare Musée Océanographique, beinahe die einzige monegassische Sehenswürdigkeit auf den Klippen am Rand der Altstadt, ganze Aquarien beziehungsweise Schaukästen, bevölkert von den Schöpfungen japanischer Gyotaku-Meister. Als sie zu Beginn der Ausstellung im Museum ihre Arbeitsweise vorführten, konnte man dort sogar druckfrische Fische kaufen. Für spätere Besucher bleibt nur das Plakat mit Drucken von Marmor-, Meer- und Zweibindenbrasse. Das kostet weniger als ein Jeton im Kasino. Und ist garantiert ein Gewinn.