Genau richtig, Ihre Kritik an dem gesellschaftlichen Trend zu Luxus, Status, Materiellem. Doch vielerlei sind die Gefahren, ins familiäre "Defizitgefühl" zu fallen: angefangen bei politischen Entscheidungen zugunsten von Prestigeobjekten. Beim Geld für die Schülerbeförderung in den Landkreisen aber wird geknausert. Oder: Blättere ich in der ZEIT weiter nach hinten, wird dort der Einkaufsberater für 1000 Mark am Tag gepriesen und Turnschuhe für 1500 Mark. Auch die Kinder schauen mal in die Zeitung, sind interessiert an Weihnachtsgeschenken. Kinder, welche nach dem 11. September kleine Spendenaktionen für Kinder in Afghanistan veranstalten. Wie sollen sie derlei Zeitungsberichte nehmen? Wie sollen Familien das verdauen? Das macht sehr wütend!

Annelie Kampner (Pseudonym. Der richtige Name ist der Redaktion bekannt)

Ich bin eine berufstätige und alleinerziehende Mutter von vier schulpflichtigen Kindern. Wir fünf hängen nicht am "sozialen Tropf", sondern verfügen pro Person über 780 Mark im Monat = 3900 Mark (Gehalt der Mutter, Kindergeld, Unterhalt für zwei Kinder). Nach Auskunft des Sozialamtes stehen wir somit "gut" da, "knapp" über den Regelsätzen! Wenn wir nun ergänzende Sozialleistungen in Anspruch nehmen würden, werden die auf die Grundschuld des erworbenen alten Bahnhauses (Kohleöfen, Sanitär kaputt) im Grundbuch eingetragen und müssen zurückgezahlt werden. Das passiert dann, wenn ich als Mutter meine wahnsinnig hohe Altersrente erhalte. Eine selbst finanzierte und dann erst vom Staat bezuschusste zusätzliche Altersversorgung (Riester-Rente) müsste ich durch noch mehr Arbeit erwirtschaften. Wenn ich als Einelternfamilie diesem Schrecken ein Ende bereiten will, gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Zahlungsunfähigkeit erklären, Sozialhilfe beantragen und sich zurücklehnen!

b) In einem zweiten Job arbeiten, mehr Geld und noch mehr Sozialabgaben erwirtschaften und kämpfen! Ich habe mich für das Letztere entschieden.

Wenn ich die Kampagne unserer Bundesregierung "Familie Deutschland - über 100 Vorteile für das Familienleben" sehe, koche ich vor Wut. Wir leben seit 18 Jahren Familienpolitik. Bei mir hat kaum ein Gesetz das gehalten, was es verspricht (egal, unter welcher Regierung).

Heute fühle ich mich "arm und mutterseelenallein". "Reich" bin ich durch vier gesunde, intelligente, sozial positiv auffallende, selbstbewusste und starke Kinder.