Für viele Biologen, Genomforscher und ihre philosophierende Eskorte ist die Gentechnik eine fröhliche Wissenschaft. Sie ermögliche nämlich einen neuen Zug auf dem Schachbrett der Evolution, und so könne man das Spiel der menschlichen Selbstveränderung ein schönes Stück weitertreiben. Der Homo sapiens, so hat der amerikanische Biophysiker Gregory Stock dieser Tage noch versichert, sei "eben nicht das Ende der Entwicklungsstufe bei Primaten. Wir werden Designer-Babys erzeugen und in sinnvoller Weise Einfluss auf unser Dasein nehmen können." Bedenken, so versichern auch seine Mitstreiter, sind fehl am Platz, denn das Wesen des Menschen bestehe in seiner Veränderbarkeit.

Wer dagegen im Namen des Humanismus gentechnischen Eingriffen Grenzen setzen will, bekämpfe die zentrale menschliche Wesensbestimmung, eben seine grenzenlose Veränderbarkeit. Der Humanist ist ein Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen der Evolution.

Theologen und Philosophen, wie sie jüngst das "Ahauser Forum Politische Theologie" versammelt hat, haben gegen das schwere Geschütz des Konstruktivismus einen schweren Stand. Seriösen Genforschern gelten Theologen überdies als unbarmherzig, weil sie einer Ethik des Heilens den Segen verweigern und das Fußvolk mit metaphysischen Verboten belästigen, die man nur noch einer kleinen Herde von Gläubigen zumuten könne. Für Posthumanisten, die das Zeitalter des genmanipulierten neuen Menschen ausrufen, liegt der Fall ohnehin klar. Für sie zählen Theologen zum alteuropäischen Restbestand

ihr Denkgebäude stehe im Treibsand der Evolution. Ändert sich die Evolution, und das sei mit der Entdeckung des Genoms der Fall, müsse sich auch die theologische Wahrheit über den Menschen ändern.

Der Dammbruch ist schon passiert

Doch inwieweit versteckt sich hinter der Kritik am "überholten" humanistischen Menschenbild selbst nur - ein Menschenbild? Die Gefahren, so die Referenten, gehen eben nicht nur von den möglichen Eingriffen der Biowissenschaft aus, sondern vom Umsturz unserer Wahrnehmung, von der Revolution der Bilder, in denen Menschen ihr Leben als gut und gerecht verstehen. Wenn Eltern ihr Kind nach dem eigenen Bild "erschaffen", nehmen sie es womöglich nicht mehr als ein Unbedingtes, sondern nur als ein Bedingtes wahr, gleichsam als leibgewordenes Spiegelbild eigener Wünsche.

Bewirken solche Manipulationen, so fragte Jürgen Manemann (Münster), nicht tatsächlich den "berüchtigten" Tod des Menschen? Verschwindet das Subjekt nicht in seinen selbst geschaffenen Relationen, in der Logik des Nützlichen und der Selektion des vermeintlich Wertvollen? "Vom stolzen Projekt der Emanzipation, mit dem das Bürgertum einst gegen die Traditionen der altständischen Welt angetreten war", bliebe dann kaum mehr übrig als eine Gesellschaft, die sich "vom Menschen selbst befreit - vom Bild eines leidempfindlichen und erinnerungsfähigen Wesens."