Nachtträume habe ich selten, Tagträume schon. Wenn ich mich ihnen hingebe, dann sind das Wünsche nach Weite, um Enge zu entfliehen. Damit meine ich nicht räumliche Enge, sondern gedankliche. Dem Kleinlichen entfliehen zu können

Klischees, Gerüchte und Vorurteile wie Steine zu Staub zertrümmern sehen

zu beobachten, wie der Wind den Sand ins Meer trägt ... Festgefahrenes müsste beweglich und Erstarrtes geschmolzen werden. Manchmal kommt Musik zu mir, nimmt meine Seele mit auf Reisen. Manchmal wende ich mich aber auch ihr zu und bitte sie, mich mitzunehmen, weil ich dort, wo ich gerade bin, nicht sein möchte. Dann könnte ich vielleicht Klavier spielen wie Nat King Cole, komponieren wie Beethoven, Rechnen wie Newton, singen wie Pavarotti, Golf spielen wie Tiger Woods, kochen wie ... Na ja, das kann ich selbst ganz gut.

Kochen ist eine meiner Leidenschaften. Ich erfülle mir kulinarische Träume, indem ich behaupte, dass es nichts gibt, was man am Herd nicht herstellen kann. Zum Beispiel Fisch: Es ist so einfach, aus frischem Dorsch, Zander oder Hering ein köstliches Mahl herzustellen. Man muss sich nur Zeit dafür nehmen, sich auf seine Instinkte verlassen, das richtige Gespür haben, was schmecken könnte. Überhaupt Gespür: Immer die richtige Nase für Situationen haben - das ist auch ein Traum. Manchmal bin ich aufbrausend, schlage schon mal die Tür zu. Ich möchte noch ruhiger und gelassener sein. Es gab schon Situationen, die ich mir hätte ersparen können. Auch meine ironischen Anspielungen werden von manchen als verletzend empfunden. Immer richtig verstanden zu werden ist ein frommer Wunsch, ich weiß. Der Traum vom richtigen Gespür ist der Wunsch, unangreifbar zu sein. Du weißt immer genau, ob du gerade einen Fehler machst oder nicht. Du ersparst dir Auseinandersetzungen mit Menschen, weil sie dich nicht missinterpretieren. Und Du baust nicht an einer Stelle Häuser, wo eigentlich ein Park hingehört.

Ich bin in den fünfziger Jahren geboren. Krieg habe ich nicht erlebt. Die Anschläge in New York und Washington haben unsere Träume verändert und etwas in unseren Alltag zurückgezwungen, das wir verdrängt hatten: den Wunsch aller Menschen nach Frieden. Übrigens verwende ich das Wort Frieden nicht wie eine in die Jahre gekommene Plattitüde, sondern als ein wirkliches Bedürfnis.

Ob sozialer Friede oder ein Welt ohne Kriege - gerade als Berliner, als Bewohner einer Millionenstadt, habe ich die Sehnsucht, dass diese Stadt gewaltfrei bleibt. Dreieinhalb Millionen Berliner, dreieinhalb Millionen Seelen mit Abermillionen Wünschen: Das ist die Realität, die auch von Träumen lebt.

Ich habe nie längere Zeit im Ausland verbracht, und ein Weltenbummler bin ich auch nicht. Ich habe nur ein paar weite Reisen gemacht - nach Asien, nach Lateinamerika. Dabei habe ich gemerkt: Ich würde gern alle Sprachen dieser Welt sprechen, mit allen Nuancen, die es mir erlauben, mich auch im Ausland pointiert und witzig zu unterhalten. Kommunikation ist die wichtigste Voraussetzung, um fremde Gedanken zu verstehen, Missverständnisse zu vermeiden: ob auf Reisen, in der Beziehung, in der Politik.