Das Ende kam überraschend. In einem knappen Dreizeiler verkündeten Unilever und Merrill Lynch in der vergangenen Woche das Ende ihres Rechtsstreits. Man habe sich geeinigt und werde wieder "normale Geschäftsbeziehungen aufnehmen", hieß es. Die amerikanische Investmentbank zahlt dem Seifenmulti rund 75 Millionen Pfund (240 Millionen Mark) Schadensersatz, weil die Finanzprofis bei der Geldanlage die vereinbarte Rendite verfehlten. Merrill Lynch verwaltet für Unilever einen Teil der Pensionsgelder.

Wenige Stunden nach Bekanntgabe der Einigung kündigte Großbritanniens größte Supermarktkette J. Sainsbury an, man werde "ernsthaft prüfen, rechtliche Schritte gegen Merrill Lynch einzuleiten". Auch Sainsbury lässt einen Großteil seines Pensionsfonds von drei Milliarden Pfund (9,6 Milliarden Mark) von Merrills "Bullen" verwalten und beklagt nun ebenfalls das Unterschreiten des vereinbarten Renditerahmens. Als weitere Kandidaten, die sich auf einen Rechtsstreit vorbereiten, gelten der Pharmariese AstraZeneca und die Baumarktkette Kingfisher.

Fondsmanagement als Kunst?

Der Fall wird die Fondsbranche nachhaltig verändern. Bisher galt die These von Philip Augar, dem ehemaligen Chef des Wertpapierhandels bei der Investmentbank Schroders. Laut Augar ist Fondsmanagement "eher eine Kunst denn eine Wissenschaft". Diese Ansicht vertritt auch Robin Ellison von der Anwaltskanzlei Eversheds: "Kann man einen Künstler für Fahrlässigkeit an seinem Werk haftbar machen? Oder einen Fußballspieler?" Jeder Fondsmanager hat einmal einen schlechten Tag und sein Einsatz allein garantiert keine Tore. Nun aber ist der Mythos vom enigmatischen Fondsmanager, der ohne viel theoretisches Werkzeug das Geld anderer Leute vervielfacht, zerstört.

Zwei Frauen spielen dabei die Hauptrolle: Carol Galley und Wendy Mayall. Die attraktive Galley von Merrill Lynch gilt als eine der erfolgreichsten Finanzmanagerinnen der City. In wenigen Jahren machte sie Mercury Asset Management (MAM), einst ein bescheidener Investmentarm von S. G. Warburg, zu einem der erfolgreichsten Fondsverwalter in London. Das "eisige Fräulein" ist berüchtigt für seine Kaltblütigkeit. Wo immer der Erwerb von Firmenanteilen ihr Einfluss auf Personalentscheidungen gab, schmiss die Lady mit den Designerhandtaschen auch die angesehensten Manager ohne Skrupel raus. 1997 kaufte Merrill Lynch dann MAM. Das Juwel der Londoner Investmentberatung verwaltete zu dieser Zeit die größten und prestigeträchtigsten Pensionsfonds, darunter auch eine Milliarde Pfund aus Unilevers vier Milliarden Pfund schwerem Suprannuation Fund.

Damit traf Carol Galley auf Wendy Mayall, ihre spätere Rivalin. Mayall, die oberste Investmentmanagerin bei Unilever, ist zwar für ihr Achtung gebietendes Auftreten bekannt, konnte aber zu ihrem Leidwesen das "Mutti-Image" nie ganz abschütteln. Während einer Besprechung im November 1997 gerieten die beiden Powerfrauen so heftig aneinander, dass Mayall von Kollegen zurückgehalten werden musste, weil sie sonst auf ihre Erzfeindin losgegangen wäre.

In dem Vertrag mit Unilever verpflichtete sich MAM, eine Rendite zu erzielen, die einen vereinbarten Richtwert um mindestens einen Prozentpunkt überschreiten und für die Dauer von vier aufeinander folgenden Quartalen um nicht mehr als drei Prozentpunkte unterschreiten sollte. Zwischen Januar 1997 und März 1998 erwirtschaftete Merrill Lynch mit Unilevers Pensionsgeldern eine Rendite, die 10,5 Prozentpunkte unter dem Zuwachs des Richtwerts, des FTSE All Shares, blieb. Der Pensionsfonds wuchs statt um 300 Millionen Pfund (960 Millionen Mark) lediglich um 200 Millionen Pfund (640 Millionen Mark).