die zeit: Professor Hausmann, können wir den Wirtschaftswissenschaftlern noch glauben? Im vergangenen Jahrzehnt lobten sie Argentinien fast einstimmig. Das Land befolgte alle Rezepte des Internationalen Währungsfonds.

Jetzt steckt es tief in der Misere. Was ist schief gegangen?

Ricardo Hausmann: In einer wirklichen Misere steckte Argentinien Ende der achtziger Jahre. Damals gab es Hyperinflation, die Produktion war zusammengebrochen. Dann führte Argentinien die Peso/Dollar-Parität ein, und bis 1997 funktionierte alles wunderbar. Die Wachstumsrate lag bei sechs Prozent, es gab kaum Inflation, die Exporte wuchsen, und die Wirtschaft wurde reformiert. Vieles wurde also richtig gemacht. Die jetzige Situation können sie aber mit folgendem Vergleich erklären: Menschen sterben mitunter, wenn auch nur ein Organ versagt.

zeit: Was versagte in Argentinien?

Hausmann: Die Integration ins Weltfinanzsystem hat nicht funktioniert.

zeit: Die Argentinier haben doch nur gemacht, was der Währungsfonds empfohlen hat.

Hausmann: Bevor wir die Schuld verteilen, lassen Sie uns an die Situation vor zehn Jahren denken: Das Land war ökonomisch kollabiert. Es hat seit der Hyperinflation in Deutschland in den zwanziger Jahren nie mehr eine solch schlimme Inflation gegeben. Also entschieden sich die Politiker 1991, ihre Währung an den Dollar zu ketten.