Am gemeinsten ist Muskelkater, wenn er sich bereits während des Sports anschleicht. Sich brennend in den Beinen bemerkbar macht, um dann für Tage nicht mehr zu verschwinden. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Sportarten auf der Welt, durch die man die verschiedenen Grade des Beinmuskelkaters besser kennen lernen kann, als das Skifahren im Telemark-Stil.

Vor allem, wenn man Anfänger ist, und davon gibt es immer mehr. Man könnte fast von einem Trend sprechen: In Norwegen schwingt etwa jeder zweite Skifahrer im Kniefall die Hänge hinunter, nach Süden hin wird die Zahl der Telemarker zwar weniger, dafür sind die Typen fanatischer. Wer zum Pauschalisieren neigt, behauptet: Wo die Norweger gemächlich frei ferseln, rasen italienische Freaks in schmalen Rinnen und steile Tiefschneehänge hinunter (mindestens 20 Zentimeter davon seien nötig, behaupten Puristen).

Viele Skifahrer verbinden mit Telemark eine antiquierte Bewegungsart im Schnee, zu Recht. Diese Form des Wintersports ist nicht neu, vielmehr ist sie die Mutter des alpinen Skifahrens. Telemark ist eine Kunst, eine Lebensart.

Es steht für Eleganz, Flexibilität und Mut, sagt Leif Jaeger, Präsident des FIS Telemark-Komitees (der von seinem Sport schon deshalb so begeistert sein muss, weil es sein Job ist, ihn zur olympischen Disziplin zu machen).

Schlicht ausgedrückt, ist Telemark eine Kurventechnik im Skifahren beziehungsweise im Skilaufen. Denn ähnlich dem Langlaufen ist die Ferse in der Bindung frei beweglich. Diese für einen Alpin-Bindungs-Fahrer ungewohnte Freiheit ermöglicht es, in einer Art Ausfallschritt den Hang hinabzugleiten.

Ein Schrittwechsel mit Kniefall, der ungewohnte Kraft erfordert. Wichtig ist, dass beide Ski gleich belastet werden. Das vordere Bein ist dabei so weit abgewinkelt, dass man ein Glas auf dem Oberschenkel abstellen können muss, (Luca Gasparini, Mitglied im FIS Telemark-Komitee und Telemark-Lehrer). Das hintere Knie beugt sich nach unten, der Fuß wandert unter den Po, und der Fahrer müsste eine Zigarettenkippe ausdrücken können. Durch Schrittwechsel und Gewichtsverlagerung kommen die Kurven fast von allein zustande. Alles eine Frage des Kopfes - sagt der Skilehrer. Eher eine Frage der eigenen Motorik - mutmaßt der Anfänger.

Für den Neuling sieht Telemark zunächst kompliziert und gefährlich aus, aber das sind Vorurteile. Sicher: Wackelig und unsicher ist die freie Ferse, unkoordiniert sind die Schwünge. Aber gefährlicher als Skifahren ist es nicht, beruhigt der Experte: Die oft akrobatisch anmutende Körperhaltung der Könner trügt. Das Knie folgt der natürlichen Laufrichtung, im Gegensatz zum Bindungs-Skifahren, wo man wie festgeschraubt auf seinen Brettern steht und beim Wedeln die Knie drehen muss. Ein Nachteil der freien Ferse allerdings sollte nicht verschwiegen werden: Die ersten Fahrten im Schlepplift lassen Anfänger gern vornüber kippen.