Es ist schon toll, wie elegant und wendig sich die Fahrer mit dem neuen Segway Human Transporter bewegen. Sicher stehen sie auf dem zweirädrigen Gefährt, das an einen alten Handrasenmäher erinnert. Ein wenig nach vorn lehnen, und der Segway rollt vorwärts. Ein bisschen zurücklehnen, und er kommt zum Stehen oder fährt rückwärts. Kein Gasgriff, keine Bremse - es scheint, als reagiere der Transporter auf die Gedanken des Benutzers. Und vor allem: Er fällt nicht um. Selbst ungeübte und unsportliche Menschen lernen in ein paar Minuten das Manövrieren.

Das also ist die geheimnisumwitterte Erfindung des Ingenieurs Dean Kamen, die in den vergangenen Monaten immer höher fliegende Gerüchte inspiriert hat, vor allem im Internet. Dass das Gerät, bekannt unter dem Tarnnamen Ginger oder einfach It (ZEIT Nr. 5/01) etwas mit Verkehr zu tun haben würde, war schon bald klar. Aber nach all den Vorschusslorbeeren erwarteten die Chronisten mindestens den persönlichen Hubschrauber im Rucksack mit Brennstoffzellenantrieb. Der Erfinder hatte diese Gerüchte mit angefacht, als er durchsickern ließ, wie euphorisch Industriebosse wie Apple-Chef Steve Jobs und der Amazon-Gründer Jeff Bezos auf das Gerät reagiert hatten (Jobs: "mindestens so wichtig wie die Erfindung des PC").

Nun ist es also "nur" ein Elektroroller. Doch der birgt erstaunliche Technik.

Herzstück sind fünf Kreiselsensoren, mit deren Hilfe zehn Mikroprozessoren immer genau feststellen können, ob der Griff senkrecht steht. Kippt er auch nur leicht aus der Vertikalen nach vorn, so schalten die beiden Elektromotoren umgehend in den Vorwärtsgang. Das sorgt nicht nur für Stabilität, sondern regelt auch die Geschwindigkeit: So wie das menschliche Gehen eigentlich ein kontrolliertes Nach-vorn-Fallen ist, so rollt auch der Segway voran, weil die Elektronik das Umfallen verhindert. Will oder muss der Fahrer anhalten, so richtet er sich intuitiv auf, der Motor bremst.

Der Segway beansprucht kaum mehr Platz als ein Fußgänger, Kamen sieht auch das Revier seiner Elektroroller nicht auf der Straße, sondern auf dem Bürgersteig. Der Erfinder, der schon Insulinpumpen, Herzschrittmacher und tragbare Dialysegeräte vermarktet, betrachtet die Gehhilfe nicht als nette technische Spielerei, sondern als Beitrag zur Lösung des Verkehrsproblems.

Massenhaft sollen die Menschen vom Auto auf Segways umsteigen, in den reichen Metropolen ebenso wie in der Dritten Welt. Der Segway sei "für das Auto das, was das Auto für das Pferdefuhrwerk war", diktierte Kamen dem Reporter von Time, der das Gerät drei Monate exklusiv testen durfte und sich dafür mit einer kritikfreien Reportage revanchierte.

Krieg auf dem Bürgersteig Mit seinem Vergleich hat der Genius die Latte wohl zu hoch gelegt. So kostet der Segway schon in der billigsten Version 3000 Dollar, für Normalverdiener zu teuer und für Bewohner von Entwicklungsländern unerschwinglich. Die massenhafte Nutzung des Elektrozweirads würde zudem große Probleme schaffen.