Rupert Murdoch droht ein Drittel der deutschen Fernsehsender an sich zu reißen: Premiere World, ProSieben und Sat.1 in seinen Händen - allein die Vorstellung hätte noch vor ein paar Jahren Panik ausgelöst. Was würde der gefährlichste Jäger des internationalen Mediendschungels im deutschen Fernsehidyll anrichten?

Jetzt ist es fast so weit, und Aufregung herrscht eigentlich nur bei Kirch.

Das Münchner Medienunternehmen ist finanziell angeschlagen und könnte - allen Dementis zum Trotz - zur Beute des Australiers werden. Oder wie Helmut Thoma, der ehemalige RTL-Chef, lakonisch sagt: "Wenn im Dschungel einer waidwund herumläuft, kommt halt der Tiger."

Der Tiger Rupert Murdoch ist inzwischen 70 Jahre alt und beherrscht mit der News Corporation einen der größten Medienkonzerne der Welt. Seine Zeitungen erscheinen in Großbritannien (Times, Sun), in Amerika (New York Post) und Australien (Herald Sun). Über Satellit und TV-Kabel können drei Viertel der Menschheit seine Fernsehprogramme schauen, wie er stolz mitteilt. Im Wettstreit mit ihm versucht eine Hand voll rastloser Konzernherren, die eigenen Filme und Serien auf der Welt zu verbreiten oder mit Magazinen und Zeitungen einen Teil der Werbegelder abzuschöpfen. "Wir erleben einen globalen Verteilungskampf", sagt Hans Hege, Leiter der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.

Murdoch liegt auf allen Kontinenten gut im Rennen - nur in Kontinentaleuropa kam er lange nicht voran. In China und Asien lässt sich auf absehbare Zeit nicht viel Geld verdienen, während Europa einen Markt mit mehr als 300 Millionen wohlhabenden Verbrauchern und einem riesigem Werbekuchen bedeutet.

Der Kosmopolit Murdoch hat seine Abneigung gegen die dort herrschende politische wie ökonomische Kultur nie verhehlt. Aber was soll er machen?

"Deutschland ist der zweitwichtigste Medienmarkt nach den USA", sagt Horst Röper, Leiter des Medienforschungsinstituts Formatt in Dortmund.