Wohl kaum je hat ein Außenminister der Bundesrepublik die Kulturpolitik so wichtig genommen wie Joschka Fischer. So sieht es jedenfalls aus, wenn man sich an seine Redebeiträge zum Thema hält. Keine Grundsatzrede des obersten Diplomaten kommt ohne eine artige Reverenz vor dem internationalen Kulturaustausch und seinen Mittlerorganisationen aus. Zuletzt hat Fischer in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung erfreulich offensiv Stellung bezogen und gefordert, der Westen müsse der "Strategie des Terrorismus den 'Dialog der Kulturen und Religionen'" entgegensetzen.

Der Außenminister verfügt über ein großartiges Instrument, um einen solchen Dialog zu führen: das mit Inter Nationes fusionierte Goethe-Institut mit seinem Netz von Niederlassungen und Kontakten auf allen Kontinenten. Die über 2000 Mitarbeiter des Instituts in aller Welt haben einen Beruf daraus gemacht, sich mit gewachsenen Traditionen und kulturellen Unterschieden auszukennen.

Die goldenen Worte Fischers, des großen "Zuwendungsgebers" (Institutsjargon), hat man denn auch im Goethe-Vorstand gern vernommen. Sie fügen sich ja in eine Reihe von großen Statements, mit denen Fischer seit seiner Amtsübernahme die Kulturpolitik aufzuwerten und neu zu bestimmen versucht. Im Sommer 2000 hatte er die Kulturdiplomatie als "integralen Bestandteil einer auf Konfliktprävention und Friedenssicherung ausgerichteten deutschen Außenpolitik" bezeichnet.

Chance für den Kulturaustausch

Mit dem 11. September ist nun der Moment der Wahrheit für die auswärtige Kulturpolitik gekommen. Es wäre nun an der Zeit zu beweisen, dass die programmatischen Vorstöße des Außenministers nicht bloß rhetorische Ersatzhandlungen in Zeiten der Konsolidierung sind.

Leider nähren die jüngsten Entwicklungen diesen Verdacht. Peter Sötje, Mitglied des Vorstands des Goethe-Instituts und eigentlich ein Mann der leisen Töne, zeigt sich extrem frustriert über das "merkwürdige Desinteresse" des Außenministers an der Kulturpolitik jenseits von Festreden und Kongressen: "Fischer ist auf dem besten Wege, sich als großer Festungsbaumeister zu verewigen."

Sötjes Zorn entzündet sich an der im Auswärtigen Amt geplanten Verteilung der Mittel aus dem Antiterrorpaket. Fischers Ministerium wird von den insgesamt drei Milliarden Mark, die der Bund zusätzlich für Terrorbekämpfung lockermacht, über 200 Millionen erhalten. Diese Mittel sollen explizit, so hat es der Bundessicherheitsrat formuliert, auch für "die Stärkung des interkulturellen Dialogs" zur Verfügung gestellt werden. "Außerdem", so las man es in der Pressemitteilung der Regierung zum Bundestagsbeschluss, "soll damit die Sicherheit deutscher Auslandsvertretungen verbessert werden."