Die ablehnenden Stellungnahmen zum therapeutischen Klonen sind meines Erachtens vorschnell und unüberlegt:

Auch das von der zitierten US-Firma durchgeführte Experiment kann vor einem einheitlichen ethischen Hintergrund betrachtet werden. Voraussetzung ist, dass die zentrale falsche Annahme korrigiert wird, die vielen Missverständnissen in der Bioethik zugrunde liegt: Die menschliche Person beginnt nicht mit einer befruchteten Eizelle, sondern dann, wenn ein charakteristisches menschliches Gehirn entstanden ist. Denn dieses ist die Voraussetzung für alles, was wir mit den Eigenschaften einer Person identifizieren. Eine manipulierte Hautzelle hat diese Eigenschaften ebenso wenig wie eine befruchtete Eizelle: Sie hat weder Nerven noch Gehirn, ist nur unter dem Mikroskop sichtbar, wiegt selbst nach 14 Tagen noch weniger als ein tausendstel Gramm - ist also kein Mensch. Mithin wird mit ihrer Zerstörung kein Mensch getötet, sondern ein Zellhaufen.

Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Zellhaufen wird zum Beispiel vielleicht dazu führen, dass Menschen, die ein neues Organ benötigen, nicht mehr auf menschliche oder tierische Spenderorgane angewiesen sind. Ich halte diese Forschungsarbeiten für ethisch geboten.

Der wahre Konflikt besteht letztlich darin, dass ein Teil der Gesellschaft nicht anerkennen mag, dass auch der Mensch - wie alles, was wir in der Natur beobachten - grundsätzlich mit den Naturgesetzen erklärbar ist. Doch jede Forschungsarbeit holt diese prinzipielle Erklärbarkeit ein Stückchen mehr ans Tageslicht. Ich meine, dass durch Wissen um biologische Vorgänge deren Bewunderungswürdigkeit und Ästhetik nicht gemindert wird - im Gegenteil.

Dr.-Ing. Peter Schick, Haar