Der Jangtse wird nie wieder so sein, wie er war. Michael Frese, Fernreisechef bei Dertour, sieht das weltgrößte Staudammprojekt am drittlängsten Strom der Erde als Auslöser des aktuellen Chinareisen-Booms.

2003 sollen die 185 Meter hohen Dämme vollendet und 1,3 Millionen Menschen am Flussufer umgesiedelt sein. Zwei Jahre bleiben Touristen also nur noch, den Jangtsekiang mit seinen drei berühmten Schluchten Qutang, Wuxia und Xiling von ihren Kreuzfahrtschiffen aus in der ursprünglichen Gestalt zu erleben.

Die Leute haben Angst, dass 2003 alles vorbei ist. Das ist natürlich Quatsch, kommentiert Studiosus-Sprecher Klaus Dietsch, studierter Sinologe, die buchstäbliche Torschlusspanik. Es werde viele Jahre dauern, bis der Wasserstand hinter der Staumauer sichtbar steigt. Aber wir merken natürlich auch, dass unsere Gäste von der Technik des Projekts fasziniert sind.

Deutschlands führender Studienreisenveranstalter wird darum im neuen Jahr sein Chinaprogramm um drei spezielle Jangtse-Arrangements ergänzen.

Die Zahl der deutschen Chinareisenden dürfte 2001 erstmals über 300 000 steigen. Die Volksrepublik profitiert von ihrem Image als ausgesprochen sicheres Fernreiseziel, dem Wirtschaftsboom rund um Shanghai und der Anziehungskraft Pekings als Austragungsort der Olympischen Spiele 2008. Beim China-Marktführer GeBeCo buchten in diesem Jahr 21 000 Reisende, 30 Prozent mehr als 2000. Ähnlich sprunghafte Zuwächse registrierten auch Dertour und andere Veranstalter.

In China ist Musik drin. Der Markt wird weiter wachsen, bestätigt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Während die deutsche Fluggesellschaft nach dem 11. September viele Fernstrecken mangels Nachfrage ausdünnen musste, werden die Verbindungen nach China im März kräftig aufgestockt: Von München fliegt dann ein Lufthansa-Airbus A 340 dreimal wöchentlich nach Hongkong und Shanghai - zusätzlich zu den täglichen Jumbo-Diensten von Frankfurt nach Hongkong, Shanghai und Peking. Die Auslastung unserer Flüge nach Shanghai ist sensationell, sagt Jachnow. Als nächsten Schritt will Lufthansa die Kooperation mit Air China intensivieren und Inlandsflüge im Fernen Osten als Codesharing mit Lufthansa-Flugnummer anbieten.

Anders als noch vor zehn Jahren stehen Chinareisenden heute in allen größeren Städten moderne Hotels zur Verfügung, die westlichen Ansprüchen genügen.