Nach dem jüngsten Diktum des Bundesverfassungsgerichts geht es um zweierlei: um den Religionsunterricht in Brandenburg - und um die Kompetenzen in Karlsruhe. Früher gingen die Richter zu weit, indem sie in rein politischen Fragen Urteile fällten. Diesmal liegt ihre Grenzüberschreitung darin, dass sie den streitenden Parteien anstelle eines Urteils freihändig einen politischen Vergleichsvorschlag servieren - ein Vorgehen, das kein Gesetz zulässt.

Den Parteien wird's trotzdem recht sein - der Regierung in Potsdam wie den beiden Kirchen, die gegen das Monopolfach "Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde", kurz LER, geklagt hatten. Der Kern des Vergleichs: LER bleibt - aber daneben wird die Stellung des bisher vernachlässigten Religionsunterrichts verstärkt, bis knapp unter die Schwelle des förmlichen Wahlpflichtfachs. Immerhin: Wer zur "Reli" geht, darf sich bei LER abmelden.

Die Richter beantworteten bewusst keine der gestellten Rechtsfragen. Alles bleibt Politik - und Praxis. Die Kirchen zitieren Umfragen, wonach der Religionsunterricht begehrt ist, selbst bei Eltern, die keiner Kirche angehören. Nun kann dieser sich in der Konkurrenz zu LER als so attraktiv erweisen, dass eines Tages die Politik nicht anders kann, als aus dem frommen "Reli" doch noch ein echtes, freies Wahlpflichtfach zu machen. R.L.