die zeit: Sie leiten an der Universitätsklinik Greifswald ein Projekt zur Unfallforschung. Was genau untersuchen Sie da?

Julia Seifert: Schwere Straßenverkehrsunfälle in einem 2090 Quadratkilometer großen Gebiet rund um Greifswald. Mecklenburg-Vorpommern ist Spitzenreiter in der Unfallstatistik. Und es gibt jede Menge Theorien dazu, wie man Unfälle reduzieren könnte - zum Beispiel die Geschwindigkeit auf Landstraßen auf unter 80 Stundenkilometer zu begrenzen oder die Alleen abzuholzen. Aber außer den polizeilichen Daten gibt keine validen Daten, worauf diese Theorien gründen. Diese Datengrundlage schaffen wir.

zeit: Wie tragen Sie diese Daten zusammen?

Seifert: Jeder Unfall wird von einem Team aus einem Mediziner und einem Maschinenbauer codiert. Es werden die Deformierungen am Auto vermessen, der Fahrbahnbelag untersucht oder die Witterungsverhältnisse vermerkt. Außerdem befragen wir die Patienten nach ihrem Risikoverhalten und sechs Monate nach dem Unfall zu ihrer Lebensqualität. Voraussetzung allerdings ist, dass der Unfall unseren Kriterien entspricht: Das heißt, es muss ein Kraftfahrzeug beteiligt sein, der Unfall auf einer öffentlichen Straße passiert und mindestens eine Person schwer verletzt sein.

zeit: Das klingt makaber.

Seifert: Das mag sein, aber wir wollen ja nicht nur erforschen, was man zur Verbesserung der Verkehrssicherheit tun kann, sondern uns auch mit den langfristigen Folgen der Unfälle beschäftigen und herausfinden, wie die verletzten Personen resozialisiert werden.

zeit: Das Projekt wird unter anderem von den Berufsgenossenschaften und von Automobilherstellern unterstützt - was erwarten die sich?