Der FC Carl Zeiss Jena pflegt zwei Leidenschaften: Er vergeigt das Saisonfinale, damit man sich den ganzen Sommer ärgern kann. Und er vergiftet Weihnachten. Seit 1992 haben wir kein Hinrunden-Schlussspiel mehr gewonnen.

Am festlichsten litten wir 1995 (Kopfballtreffer von Meppens Torwart in der 91. Minute), dicht gefolgt von 1997 (1 : 3- Heimpleite gegen Fortuna Köln, Jenas Torwart ausgewechselt wegen Erbrechens über die eigene Leistung).

Jetzt also gegen Chemie Leipzig (nur Wessis und Kinder sagen FC Sachsen). Der Chemiker weiß seit Jahrzehnten, dass er in Jena verliert. 90 Minuten Zeiss-Druck. Aber warum schießt Leipzigs Nemec das Billard-Tor der FußballWeltgeschichte (linker Pfosten, rechter Pfosten, linker Pfosten, drin)? Warum drischt Jenas Ceesay aus sechs Metern an die Latte, köpft Schön Millimeter vorbei, kratzt Chemie-Keeper Eckstein Holetscheks Kracher aus dem Dreiangel? Warum nimmt uns der Schiri den Elfmeter wieder weg? Warum bricht Chemie nach Platzverweis und Treitls Ausgleich nicht endlich ein, sondern pfuscht kurz vor Ultimo zwei Kontertore? 1 : 3, Abpfiff, ekelhafte Feierszenen. Grausig grölt der Leipziger Vorstadt-Block: NUR EIN LEUTZSCHER IST EIN DEUTSCHER!

Von der Anzeigetafel höhnte das Ergebnis der Konkurrenz: Plauen-Braunsbedra 8 : 0. Plauen damit Herbstmeister, Jena nach vier Monaten Führung gestürzt.

Im Fanhaus feuchteten wir den Christstollen mit Tränen. Wolfram Böhme sprach es aus: Leipzigs Sieg war zynisch. Es dunkelte. Schwarz und schroff umstanden die Kernberge das Paradies und schwiegen.