Wären internationale Verträge Lebewesen - man müsste heute darüber nachdenken, sie auf die Liste gefährdeter Arten zu setzen. Denn Amerikas neue Regierung hat die Jagdsaison aufs Völkerrecht eröffnet. Der ABM-Vertrag ist für nächstes Jahr angezählt, nun hat es zwischendurch die Biowaffen-Konvention erwischt.

Am letzten Tag einer Staatenkonferenz in Genf, die ein überfälliges Überwachungsregime in Form eines Zusatzprotokolls für den dreißig Jahre alten Vertrag beschließen wollte, zog Washingtons Verhandler John Bolton zur allseitigen Überraschung und Empörung den Colt hervor: No protocol. Eklat da, Konferenz vertagt. Und für das Abkommen dürfte es der Streckschuss gewesen sein.

Ausgerechnet das Land, das zu den ersten Unterzeichnern des Biowaffenverbots gehörte, dessen Bürger die tödliche Wirkung des Anthraxbazillus jüngst erlebt haben und dessen Soldaten gerade Blaupausen für Biobomben in Kabul gefunden haben, will nun verhindern, dass das Verbot mit Sanktionen gestärkt wird?

Egal, sagt der ruppige Chefverhandler, von Diplomaten schon als "Würgeengel der Rüstungskontrolle" tituliert: Das Verbot lässt sich nicht kontrollieren.

Die New York Times hat jüngst einen anderen - nicht dementierten - Grund aufgedeckt: Amerika hat seit 1997 selbst an Biobomben herumgebastelt. Rein defensiv, versteht sich. stz