Das mag man den New Yorker Polizisten auch gönnen: Wochenlanger Hochsicherheits-Einsatz und der Verlust etlicher Kollegen hat einige offenbar so stark mitgenommen, dass die NYPD-Leitung Ende November alle 55,000 Beschäftigten zur Psychologischen Beratung schickte. Sonst wäre nämlich überhaupt niemand hingegangen. Trotzdem ist es aber interessant, wer die Plakate aufgestellt hat: das New York Police Department. Die Polizeichefs nutzen die ungewohnte Sympathie der Bevölkerung für eine Rekrutierungs-Offensive. Unter speziell eingerichteten Telefonnummern und auf dem Website der Polizei ("Hier klicken für eine Liste der meistgesuchten Verbrecher") können sich neue Anwärter derzeit sogar ohne die übliche Bearbeitungsgebühr für Tests bewerben.

Das ist wieder mal so eine indirekte Folge der Terroranschläge vom 11. September. Im Augenblick verlassen nämlich sogar altgediente Polizisten in Scharen das NYPD - und zwar nicht, weil sie die Nase voll haben. Sie werden von privaten Sicherheitsdiensten weggelockt. Von der Einkaufshalle bis zum Konzern stellen Unternehmen zur Zeit mehr professionelle Aufseher und Berater ein, bevorzugen erfahrene Polizisten - und zahlen mehr. Michael Bloomberg, der designierte Bürgermeister, hat das Problem schon erkannt: "Wir werden versuchen, so viele wie möglich zu halten", sagte er.

Die Frage ist nur, wie er das machen will. Höhere Gehälter sind wohl kaum drin: Die Stadt New York bricht gerade unter ihren Schulden zusammen, schon in diesem Jahr mussten die Ämter 15 Prozent ihrer Budgets einsparen. In den kommenden Jahren muss Michael Bloomberg mit dem Rotstift regieren, und das wird aller Voraussicht nach auch Jobs bei der Polizei betreffen. Die erhofften Polizei-Rekruten können also nicht mal damit rechnen, dass ihre Jobs sicher sind - schwere Zeiten für den Helden-Nachwuchs.

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