Der Zeitpunkt kann also nicht falsch sein. Mit den Zutaten verhält es sich anders. Es muss der richtige Käse sein. Der richtige Wein. Das richtige Brot. Der richtige Topf. Und nicht zu vergessen: der richtige Schnaps.

Kaufen Sie pro Person 200 Gramm Käse ein. Und zwar moitié-moitié . Das heißt zur Hälfte Gruyère, zur Hälfte Fribourger Vacherin - nicht zu verwechseln mit dem Weichkäse Vacherin Mont d'Or. Den Vacherin müssen Sie oft vorbestellen. Finden Sie keinen, tut's auch ein nicht zu würziger Appenzeller. Wählen sie einen trockenen, allenfalls sogar säuerlichen Wein. Der meist untrinkbare Walliser Fendant ist bestens geeignet, um in käsiger Umgebung verkocht zu werden. Ein nicht zu fruchtiger Riesling tut's auch.

Reiben Sie den Käse erst kurz vor dem Start. Parfümieren Sie den Fondue-Topf, ein tönernes oder gusseisernes Cachelon, mit einer halben Knoblauchzehe und wählen Sie dann folgende Reihenfolge: Erst kommt der Käse zusammen mit einer Hand voll halbierter Knoblauchzehen ins Cachelon, dann pro Person einen gestrichenen Teelöffel Stärkepulver (Maismehl) darüber streuen, den Wein (die Hälfte des Käsegewichts) und ein wenig Zitronensaft zugießen, erhitzen, stetig mit dem Holzlöffel umrühren. Pfeffer, Muskatnuss und kurz vor dem Servieren ein Gläschen Kirsch dazu geben. Die Gäste haben in der Zwischenzeit das weiße Hefebrot (auf keinen Fall Sauerteigbrot) in Würfel geschnitten und das Rechaud in Gang gesetzt. Los gehts!

Während man die Gabel mit dem ersten Brotwürfel im Käse dreht, sollten sich die Gäste unbedingt schon darüber geeinigt haben, was die Strafe für Brotverlust sein könnte. Da gibt es die unterschiedlichsten Varianten: 50 Rappen in die Fonduekasse, ein Lied singen, alle Anwesenden küssen, Schnaps ex kippen, ausziehen (ein Kleidungsstück pro verlorenen Würfel), eine Runde barfuß im Schnee ums Haus rennen. Fehlt es an Schnee, empfehle ich die in »Asterix bei den Schweizern<« praktizierte Methode: erst Peitschenhiebe, beim zweiten Verlust Stockhiebe und dann mit einem Gewicht an den Füssen in den See. Oder in Elbe, Rhein, Spree.

Um zu belegen, dass meine Ratschläge die richtigen sind, würde ich hier gerne die entsprechenden Internet-Links nennen. Wer bei Google »Fondue« eingibt, wird zwar fündig. Doch was er findet, ist fast durchweg unbrauchbar. Unter www.fondue.ch gibt es zwar eine interessante Duftprobe zu beschnüffeln: Klicken und aus dem Disketten-Laufwerk treten rustikale Fondue-Düfte aus, wobei der entsprechende Fondue-Koch ein wenig zu viel Kirsch in den Topf gekippt hat. Was dem Site aber gar nicht zu verzeihen ist: Er empfiehlt, eine Messerspitze Natron, respektive Natriumcarbonat, in den Käse zu geben, das vermittle einen »leichten Eindruck«. Von solchen Luft-Fondue-Übungen rate ich ab. Mit einem Extra-Gläschen Kirsch pur ist jede verlorene Leichtigkeit locker wieder zu erlangen.

Auf keinen Fall darf man sich auf amerikanische Fondue-Tipps verlassen. Da wird einem bei der Zubereitung des Classic Swiss Fondues geraten, das Gericht bei hoher Temperatur dreißig Minuten zu kochen. Um Himmels Willen! Beim ersten Anzeichen von Brodeln müssen die Gäste längst in den Startlöchern sitzen, um sofort am Tisch das Rühren zu übernehmen.

Rezept-Autoren, die »one can condensed cheddar cheese soup« als Basis für ein Fondue nehmen, sollte man verklagen. Auch jene, die »hot pepper sauce« , Bier, Worcestershire Sauce, Trüffel, Senf, Paprika, Blumenkohl, Ketchup, Chilischoten oder Eigelb ins Cachelon tun. Oder zum Umrühren den Schneebesen nehmen müssen. Tut's der Holzlöffel nicht, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Zutaten nicht stimmen. Dann fällt das Fondue so oder so spätestens auf dem Tisch auseinander.