"Diese Frau hat, und das ist das Traurige, nicht das geringste Stilgefühl. Das Buch oszilliert, es schwankt zwischen verschiedenen sprachlichen Ebenen.", donnerte Marcel Reich-Ranicki über Susanne Riedels Debüt-Roman "Kains Töchter" im Literarischen Quartett.
Es war der 30. Juni 2000, das Datum einer berühmten Sendung: der heftige Streit zwischen Reich-Ranicki und Sigrid Löffler. Der Durchbruch war nun endgültig geschafft; eine derartig niederschmetternde Kritik aus dem Munde des Literaturgurus kann einer Romandebütantin nur zur Popularität verhelfen.
Kurz darauf erhielt Susanne Riedel den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt.

Dabei wollte sie noch ein Jahr zuvor "auf einem riesigen Stapel unveröffentlichter Bücher sterben", so verriet sie dem Berliner Magazin "Léonce" - als der Verlag ihr den Debütroman zum massiven Kürzen zurückgab. Dies wird nun nicht mehr gelingen. Die interne Zielsetzung Susanne Riedels - mit 40 den ersten Roman zu veröffentlichen - ging auf.
Die 1959 in Unna geborene Journalistin arbeitete jahrelang für verschiedene ARD-Rundfunkanstalten, bevor sie mit 39 Jahren endlich eine ihrer zahlreichen Rohfassungen zum tatsächlichen Roman werden lassen konnte. Mit "Die Endlichkeit des Lichts" hat nun im August 2001 auch die zweite Rohfassung Riedels ihren Weg von der Schublade in die Buchläden hinter sich gebracht. Die Liebesgeschichte eines einsiedlerischen Pilzexperten - mit erotischer Stimme und Beinprothese - und einer waldorfgeschädigten Quizshow-Moderatorin, das immerwährende Lächeln in weizenblond. Die Begegnung zweier verkannter Lyriker als Mediensatire mit ungewohnt lyrischen Pilzdarstellungen.
Und Susanne Riedel - "die Frau ohne das geringste Stilgefühl" (Reich-Ranicki) - tingelt damit durch die Literaturhäuser und begeistert. Die Leserschar wartet bereits auf den dritten Roman - welch bizarre Charaktere wird Frau Riedel wohl noch aus ihren Schubladen zaubern? Und vor allem wann? Die Entstehungsgeschichte ihres Debüts verspricht eine längerfristige Prozedur: Denn nach den ersten zehn Seiten soll tatsächlich zehn Jahre lang nichts mehr passiert sein.
Sei es drum, vielleicht hat sich das Stilgefühl der Susanne Riedel ja bis dahin doch ein wenig weiterentwickelt und ein weiterer interessanter literarischer Scheintod findet noch den Weg in die Buchläden.

Nur eines wird nicht mehr geschehen: Susanne Riedel wird nie mehr in den Genuss einer vernichtenden Kritik des gefürchteten Literarischen Quartetts kommen - mit dem 14. Dezember 2001 endete der ZDF-Klassiker.