Und noch mal neu: John Malone schreibt seinen Masterplan für die deutsche Fernsehlandschaft um. Der Chef des amerikanischen Medienkonzerns Liberty Media will Milliarden in das hiesige Fernsehkabelnetz investieren und vielleicht auch in einige Sender, doch das Bundeskartellamt hat schwere Bedenken. Schließlich zielt die Strategie darauf, sich allein zwischen Sender und Zuschauer zu schieben und von dort aus monopolistisch zu kassieren. "Ein Supermonopol könnte am effizientesten sein", sinnierte er einmal im US-Magazin Barron's, damals mit Blick auf den amerikanischen Kabelmarkt. Warum sollte er über Deutschland anders denken? Im Augenblick erwirbt er die TV-Netze der Deutschen Telekom in 13 Bundesländern. Und weil deren Leitungen meist nicht bis in die Wohnstuben reichen, will er weitere, kleinere Kabelgesellschaften übernehmen.

Dann würde einem alles gehören, und das sollte auf normalen Märkten verhindert werden. Doch Kabelfernsehen ist kein gereifter und für sich bestehender Markt - ein Monopol kann hier effizient sein, wenn zwei Bedingungen gelten: wenn dadurch auf anderen Märkten mehr Wettbewerb entstünde und wenn die digitale Zukunft dadurch schneller käme. Malone hat die deutschen Wettbewerbshüter jetzt gebeten, mit ihrem endgültigen Urteil bis zum 28. Februar zu warten, um noch einmal über die Zukunft des deutschen Fernsehmarktes nachzudenken. Was muss er fürs Monopol anbieten?

Mehr Wettbewerb kann nur entstehen, wenn im Kabel mehr Platz geschaffen wird. Heute können die Zuschauer 34 analoge und 12 digitale Kanäle empfangen. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was das Kabelnetz leisten könnte, wenn es komplett digitalisiert, also technisch aufgerüstet würde. "Das Kabel könnte die Massenkommunikation einer ganzen Gesellschaft transportieren. Fernsehen. Telefon. Internet. Einfach alles", sagt Norbert Schneider, Direktor der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen. Dafür braucht man theoretisch keinen Monopolisten. Praktisch jedoch drängen Unternehmen wie Ish - es hat das Kabelnetz der Telekom in Nordrhein-Westfalen übernommen - seit zwei Jahren die kleinen Kabelgesellschaften vergeblich zum Aufrüsten. Die Digitalisierung der letzten Kabelstrecke bis ins Wohnzimmer stockt also, weil der Markt zu fragmentiert ist.

Ein weiterer Grund für neue Wege ist das flaue Kabelgeschäft selbst. Der Telekom ist es jedenfalls nicht gelungen, aus ihrem Netz Gewinn zu ziehen. Um sich neue Erlösquellen zu erschließen, versuchte sie mehrfach, mit den deutschen Fernsehriesen Bertelsmann und Kirch zusammenzuarbeiten, was aber am Veto der EU-Kartellwächter scheiterte. Die Lehre daraus: Wer auch immer das Kabel in Zukunft besitzt, braucht mehr Freiheiten als bisher, denn ohne Gewinnaussichten wird er nicht ins Netz investieren. Eine dieser Freiheiten könnte eben sein, Gebietsmonopole langfristig zu akzeptieren.

Nun ist Liberty Media dafür nicht unbedingt ein Traumpartner. Malones Antrag beim Bundeskartellamt lässt erkennen, dass er das Kabel nur halbherzig aufrüsten will, um mehr Platz für Fernsehkanäle zu schaffen. An Telefondiensten und neuen Internet-Anschlüssen ist ihm anscheinend nicht gelegen. Außerdem ist Malone in den USA mit dafür verantwortlich, dass die Kabelgebühren in den vergangenen Jahren dreimal schneller gestiegen sind als die Verbraucherpreise.

Die Wahl lautet: Entweder bekommt Malone jetzt eine Absage, und die Telekom muss sich einen anderen Käufer suchen. Oder der Staat schreibt ihm seine Investitionen und Geschäftspraktiken vor. Bisher haben Bund und Länder allerdings kein Konzept dafür erkennen lassen.

Dabei gibt es in der Telekommunikationsbranche bereits ein erprobtes ordnungspolitisches Leitbild: die so genannte "garantierte Durchleitung", also den Zugang zum Netz für alle Unternehmen zu fairen Bedingungen. Als der Telefonmarkt 1998 liberalisiert wurde, verfügte praktisch nur die Telekom über ein eigenes Netz, und ihre Wettbewerber mussten sich Kapazitäten mieten. Natürlich versuchte die Telekom, die Newcomer zu gängeln, aber eine Regulierungsbehörde hat das gröbste Unrecht verhindert. Also muss ein Leitungsmonopol nicht das Ende allen Wettbewerbs bedeuten.