die zeit: Die internationale Vergleichsstudie Pisa stellt den deutschen Schulen ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Jetzt heißt es, insbesondere der Unterricht hierzulande müsse sich ändern. Kathrin, Maxie und Jan Helge, ihr habt stets zu den Besten eurer Schule gehört. Wie hat euch denn der Unterricht gefallen?

Kathrin von Randow: Ich fand ihn immer wahnsinnig langweilig, weil es da fast nur um Auswendiglernen oder Rekapitulieren von vorgegebenem Wissen ging. Das meiste von dem, was mich interessierte, hat Schule damit tot gemacht. Was ich vorher gut fand, wurde furchtbar, wenn es zum Unterrichtsstoff wurde.

zeit: Zum Beispiel?

Kathrin: Als im Deutschunterricht Kafka drankam. Ich hatte in den Sommerferien gerade meine Kafka-Phase und viele Bücher gelesen. Doch der Deutschleistungskurs hat mir das kaputt gemacht. Mein Deutschlehrer hat Kafka nur nach dem Vaterkomplex interpretiert. Das hatte er aus diesen Interpretationsbüchern, die Schüler benutzen, um sich auf Klausuren vorzubereiten. Ich habe viele demotivierte Lehrer erlebt, öden Frontalunterricht und fand manche Lehrbücher unsäglich.

Jan Helge Meyer: Die Kritik an den Lehrbüchern kann ich nicht teilen, weil wir kaum Lehrbücher haben. Der Schule fehlt das Geld dafür. Ansonsten sind meine Erfahrungen hundertprozentig die gleichen. Im Unterricht kaut man meist den Stoff der Vorjahre wieder. Was man in einem Jahr schafft, hätte man mit vernünftigem Tempo in zwei Monaten machen können. Fast die gesamte 11. Jahrgangsstufe war reine Zeitverschwendung.

Kathrin: Andererseits kannte ich viele Schüler, die Angst hatten, die Schule machte sie krank, weil sie unter Leistungsdruck gesetzt wurden.

Maxie Eckert: In Deutschland orientiert sich der Unterricht stets am Durchschnitt. Doch in jeder Klasse gibt es schlechtere und bessere Schüler. Da kommen die einen kaum mit und die anderen langweilen sich. Von diesem Einheitsmuster kommen die Lehrer nicht weg.