zeit: Ihr beklagt alle den stupiden Frontalunterricht. Aber wenn man Lehrer fragt, dann beteuern sie, dass sie sehr viel projektbezogenen Unterricht geben. Haben Lehrer und Schüler eine völlig andere Wahrnehmung?

Jan Helge: Mein letztes Schulprojekt ist knapp eineinhalb Jahre her. Das war damals eine Neuerung an unserer Schule und wurde im Schulprogramm groß vorgeschrieben. Wir haben ein interessantes Thema bearbeitet, die Integrationsproblematik von Ausländern. Aber ich weiß nicht, ob man dafür fünf Tage nach Berlin fahren muss. Für mich war das Projekt eher eine erweiterte Klassenreise.

zeit: Das Projekt hatte also wenig mit dem normalen Unterricht zu tun. Ging es euch anderen genauso?

Kathrin: In der 11. Klasse beschäftigten wir uns drei Monate lang in verschiedenen Fächern mit dem Wiederaufbau Deutschlands nach 1945. Es war zwar nicht wirklich interdisziplinär, aber es war zumindest ein gutes Aufbrechen des Routineunterrichts.

Maxie: An der Hamburger Schule hatte ich ein Projekt im Deutschunterricht zur Sprache in Soap-Serien. Dafür wurden wir in verschiedene Gruppen eingeteilt. Das Problem war, dass einige Schüler wunderbar selbstständig und engagiert arbeiteten und der Rest sich hat bedienen lassen. Es wurde nachher auch nicht darüber diskutiert, wie das Projekt gelaufen ist und was wir beim nächsten Mal besser machen könnten. Am Ende hat jeder irgendwie eine Eins oder Zwei bekommen, und das Thema war gegessen.

zeit: Haben die Lehrer also mal wieder Schuld an der Misere?

Maxie: Das Schulsystem wirkt auf Lehrer genauso demotivierend und gedankentötend wie auf die Schüler. In Deutschland gibt es zu wenig Möglichkeiten für die Lehrer, um ihre eigenen Ideen und eigenen Gedanken in ihren Unterricht einzubringen.