Zagatta: Guten Morgen, Herr Beucher.

Beucher: Guten Morgen, Herr Zagatta.

Zagatta: Herr Beucher, macht es unter diesen Umständen überhaupt noch Sinn, dass der Untersuchungsausschuss seine Arbeit in Sachen Leuna fortsetzt?

Beucher: Was wir von dem Generalbundesanwalt wissen, ist ja nur ein Teilaspekt. Er hat ausschließlich die Schweizerakten geprüft. Es fehlen nach wie vor die Akten aus Lichtenstein und die Akten aus Frankreich. In Frankreich steht noch eine Vernehmung aus, und dann gibt es ja auch - was im Vorgriff auf die Gesamtbewertung gesagt werden muss - immer noch keine Akten aus dem Bundeskanzleramt über diese damalige Privatisierung.

Zagatta: Sie sehen also keinen Anlass, Ihre Arbeit in Sachen Leuna einzustellen?

Beucher: Im Gegenteil. Solange Herr Kohl weiterhin schweigt - er hat ja bis heute noch nicht die Namen der Geldgeber der zwei Millionen, die er zwischen 1992 und 1998 bekommen hat, preisgegeben -, solange Akten aus dem Kanzleramt verschwunden bleiben und solange die zentralen Zeugen nicht ausgesagt haben, darf man diese Untersuchung nicht beenden. Herr Holzer, der an anderer Stelle gesagt hat, die 50 Millionen Mark, die er bekommen hatte, habe er zurecht bekommen, ist der gleiche Herr Holzer, der auch in den Akten, die der Generalbundesanwalt untersucht hat, zitiert wird mit dem Hinweis, das sei der Mann, der die Probleme mit der Bundesregierung in Bonn lösen könne. Dieser Herr Holzer hat bis heute nicht ausgesagt, und da kann man den Aktendeckel nicht schließen.

Zagatta: Aber wie wollen Sie denn Zeugen wie Herrn Kohl oder Herrn Holzer zum Reden bringen, wenn sie beharrlich schweigen?