Vorbereitung auf den Euro? "Da hab ich fast noch gar nichts gemacht", sagt Panagiota Tatsios, die eine Änderungsschneiderei in der Düsseldorfer Innenstadt betreibt. Während große Handelsketten die neuen Scheine und Münzen schon vor dem Neujahrstag auf Lager halten, bekommt sie Euro-Bargeld erst Anfang Januar. Die Buchhaltung macht bei der Schneiderin sowieso der Sohn: "Der muss dann eben umrechnen."

Ein Bäcker in der Nähe des nordrhein-westfälischen Landtages wartet sogar seelenruhig auf den 2. Januar. Er hat keine Wahl: Wenn seine Hausbank öffnet, hat er schon seit mehr als zwei Stunden Brötchen verkauft - und muss hoffen, dass kein Kunde auf sein Recht pocht, Euro als Wechselgeld zu bekommen.

Zahlreiche Betriebe mit vielen Kunden und Bargeldverkehr hätten die Probleme durch die Euro-Einführung "nicht ernst genommen", sagt Rémi Redley, Präsident des Bundesverbands der Unternehmensberater, der "Stand ist kritisch". So mancher Händler führt seine Preislisten immer noch in Mark; hat versäumt, Mitarbeiter auf das schnelle Kalkulieren in Euro zu trainieren, und bisweilen sind Buchhaltung und EDV noch nicht Euro-fähig. Wie viele Betriebe hinterherhinken, mag niemand schätzen. Dass es viele sind, gilt als sicher. Wer von Januar an nicht alle Vorgänge in Euro darstellt, warnen Kammerexperten, könnte Schwierigkeiten haben, am Jahresende einen Steuerberater zu finden. Denn auch die haben keine Lust, im Nachhinein alles umzurechnen.

Das größte Problem wird die Bargeldversorgung nach dem Umstellungsstichtag 1. Januar sein. Das 15- bis 25fache des Umsatzes als Wechselgeld kann notwendig sein, etwa in Bahnhofs- oder Flughafenlokalen, vor allem aber in den frühmorgens öffnenden Bäckereien. Sie werden zur Wechselstube der Nation. Der Bargeldverkehr werde zwar "nicht zusammenbrechen, aber es wird knirschen", prophezeiht Euro-Experte Bodo Risch, Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen in Münster. Nicht jeder Händler konnte es sich leisten, für Tausende Mark jetzt schon Euro zu kaufen und bis zum Jahreswechsel zu lagern. Das frisst Zinsgewinne und verleitet Versicherungen dazu, höhere Prämien zu verlangen. Im Gastgewerbe gibt es sogar einen "immensen Nachholbedarf", sagt Constantin Garlas, Geschäftsführer des Deutschen Hotelverbands und Euro-Beauftragter des gesamten Gastgewerbes. Zwar geht hier die Umstellung meist schnell: Ein Durchschnittsrestaurant benötigt ein bis zwei "Manntage", viele nutzen einfache Additionskassen, die nicht auf Währungen eingestellt werden müssen. Eine einfache Registrierkasse umzustellen kostet wenige hundert Mark, ein neues Kassensystem schon 4000 bis 5000 Mark. Doch bei vielen Wirten herrsche in Sachen Euro eine regelrechte "Vogel-Strauß-Mentalität", sagt Garlas. Manche weigern sich, die Preise in zwei Währungen anzugeben. "Den Kollegen ist es einfach zu teuer, neue laminierte Speisekarten zu drucken", sagt ein Düsseldorfer Restaurantwirt. Bisweilen finden sich auf der Karte zwar Preise in Mark und Euro, aber nicht korrekt umgerechnet - glatt gesetzeswidrig.

Das Taxigewerbe hat sich an der Selbstverpflichtung vieler Unternehmen, bis Ende Februar noch Mark anzunehmen und Euro herauszugeben, erst gar nicht beteiligt. Taxi Düsseldorf etwa mit seinen 1321 angeschlossenen Wagen lässt ab Neujahr jeden Fahrer mit zwei getrennten Portemonnaies durch die Stadt fahren - der Gast bekommt die Währung zurück, mit der er bezahlt.

Gerade kleine Händler sind oft zu wenig vorbereitet, dabei haben sie einiges zu verlieren. Zwar gilt: Je kleiner, desto weniger gibt es umzustellen. Die Buchhaltung erledigt meist ein Steuerberater, EDV-gestützte Lagerhaltung und Bepreisung gibt es nicht. Aber die großen Handelsketten wie Karstadt und Kaufhof werben in ihren Filialen mit Service, den kleinere Konkurrenten kaum anbieten können: schnelles, problemloses Geldwechseln, keinen Mangel an Euro. Karstadt hat eigene Kassen eingerichtet, die ausschließlich zum Tausch von Mark in Euro da sind. Der Kaufhof-Konzern lässt sich die Währungsumstellung inklusive Werbung 50 Millionen Mark kosten. Zumindest vorübergehend wird Kaufkraft von den Kleinen auf die Großen verschoben, erwartet der Euro-Beauftragte der Düsseldorfer IHK, Alexander Hoeckle.

Im Handel werden die Kosten auf 0,8 bis 1,3 Prozent des Umsatzes geschätzt - in der ohnehin margenschwachen Branche frisst die Umstellung womöglich einen Jahresgewinn. Zudem leidet der Arbeitsfluss: Mitarbeiter und Prozesse brauchen länger, bis alles eingespielt ist; weitere Kosten fallen an. Bloß: Viele kleine und mittelgroße Unternehmen wollen davon nichts wissen. Eine Umfrage von Eurostat, der EU-Statistikbehörde, bei mehr als 2800 kleinen und mittelgroßen Firmen ergab, dass bisher nicht einmal jede vierte die Euro-Vorbereitungen abgeschlossen hat. Beispielsweise werden zum Stichtag 1. Januar nur 56 Prozent der Betriebe problemlos ihre Rechnungen in Euro stellen können. Umso erstaunlicher, dass 92 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass die Umstellung reibungslos ablaufen wird.