Heinrich Breloer/Horst Königstein:Die Manns. Ein Jahrhundertroman; S. Fischer, Frankfurt a. M. 2001; 478 S., 48,90 DM

Ist es nur halb wahr, so doch üppig bebildert: Wer nicht wüsste, wie Thomas Mann aussah, müsste Armin Mueller-Stahl für den Dichter halten, denn hier wurde kein Foto beschriftet und der Hinweis, dies sei ein Buch zum Film, vermieden. Ärgerliche Mogelpackung unterm Etikett "Dokudrama". Ganz anders Breloers Präludium zum Film: Unterwegs zur Familie Mann. Begegnungen, Gespräche, Interviews (S. Fischer; 558 S., 38,32 DM). Es triumphiert die Eleganz des Faktischen.

Evelyn Finger

Klaus Körner: "Der Antrag ist abzulehnen". 14 Vorwände gegen die Entschädigung von Zwangsarbeitern; Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2001; 144 S., 25,- DM

Seit Juni 2001 bekommen die noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiter des "Dritten Reiches" ein paar tausend Mark. Damit wird, wie der Hamburger Jurist und Historiker Klaus Körner schreibt, ein Schlusspunkt gesetzt "hinter eine der größten Entschuldungsaktionen in der neueren Wirtschaftsgeschichte zu Gunsten von Unternehmen". Das Buch ist die Chronik eines langen Skandals: Es zeigt, mit welchen scheinheiligen Argumenten Politiker und Juristen über 50 Jahre die Forderung nach angemessener Entschädigung abgewehrt haben.

Gerhart M. Riegner: Niemals verzweifeln. 60 Jahre für das jüdische Volk und die Menschenrechte; Bleicher Verlag, Gerlingen 2001; 638 S., 59,- DM

Anfang Dezember starb Gerhart Riegner, der langjährige Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, nur wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Mit seinem Namen verbindet sich das "Riegner-Telegramm", in dem der Leiter des Genfer Büros des Weltkongresses im August 1942 die Westalliierten über den Plan der Nazis zur systematischen Vernichtung der Juden in Europa informierte. Doch in Washington und London wollte man die Botschaft nicht ernst nehmen. Vor drei Jahren veröffentlichte Riegner seine Autobiografie in Frankreich. Nun ist sie auch in deutscher Sprache erschienen - ein anrührendes Dokument.