Ich habe Nena angerufen, die hat sofort zugesagt, dann Irene vom Tempodrom in Berlin. Sie reservierte unseren Wunschtermin, den 23. Dezember: Um Weihnachten herum spürt man auf diesem Planeten starke, tolle Schwingungen. Dann rief Mabel mit einer neuen Idee an: "Sitzt du? Wir haben die Telekom-Spendennummer 0190/00 45 50." Ein Anruf kostet fünf Mark, die Spende wird einfach mit der Telefonrechnung abgebucht.

Damit klar ist, wohin das Geld geht, habe ich ein Projekt ausgesucht: Das Malalai-Hospital in Quetta in Pakistan. Es ist gerade geschlossen, weil Geld fehlt, und wurde von Rawa, der Revolutionary Association of Women of Afghanistan, gegründet. Ganz großartige Frauen, die arbeiten im Untergrund, Kontakt mit ihnen kann man nur übers Internet aufnehmen. Dass ich selbst mal nach Quetta fahre, glaube ich nicht. Ich habe einen elfjährigen Sohn und muss noch etwas am Leben bleiben.

Am Donnerstag bin ich Mabels Schatten und Sonne. Wir organisieren alles für die Gala: den Zeitplan für Soundchecks, wir verteilen die Klamotten für die Modenschau, ich schreibe Karteikarten mit Stichworten für die Anmoderationen. Alle sollen etwas ansagen.

Freitag bin ich in Hamburg bei der NDR Talk Show und stelle die Benezfizgala vor. Dabei ist auch Karola Schaaf, die Afghanistan-Expertin von amnesty international.

Nach Berlin fahre ich Samstag zurück. Ich gehe zu Mabel ins Büro, und wir machen die letzten Vorbereitungen für die Gala. Dann bringen wir die Sachen für den Basar ins Tempodrom. Ich verkaufe meine Bühnenklamotten von 1998: fluoreszierende Hosenanzüge.

Am Sonntag fangen um 10 Uhr Proben und Soundchecks an. Ich bin auf und hinter der Bühne und schaue, dass alles klargeht. Das Konzert beginnt abends um acht. Zuerst stelle ich Rawa vor. Wir zeigen Ausschnitte aus einem Film, den die Rawa-Frauen heimlich gedreht haben, mit unter ihren Burkas versteckten Kameras. Dann spiele ich mit meiner Band, dem Weltraum Polizei Orchester. Ich habe eine wunderschöne Ballade aus dem Jahr 1838, von Theodor Fontane, vertont: Das Trauerspiel von Afghanistan. Die krempelt einem das Herz um. Viele Frauen und auch ein paar Männer treten auf, Udo Lindenberg kommt als Gast. Das Finale ist ein Bob-Dylan-ähnliches Schrummel-Schrammel-Gitarrenlied: United Women of the World. Das singen wir alle zusammen. Nach der Gala organisiert meine 20-jährige Tochter Cosma eine Party. Parallel dazu läuft der Benefiz-Basar. Vor sechs komme ich sicher nicht ins Bett.

Montag schlafe ich auf jeden Fall aus. Für den Heiligen Abend gründe ich mit Berliner Obdachlosen eine Familie, das organisieren Leute von der Straßenzeitung. So richtig mit Weihnachtsbaum und allem Drum und Dran. Ich bringe etwas zu essen, meine Gitarre und das Harmonium mit. Und vielleicht Cosma. Mein Sohn ist für die Feiertage in den USA bei seinem Papa.