Schön ist es hier nicht: erst die grölenden Trinker an der Oxford Street, die Autos, die sich ihren Weg frei hupen, der Gestank nach Abgasen und verschüttetem Bier. Zwei Ecken weiter dann eine düstere Gasse, die alles andere als Vertrauen einflößt. Wer sich nächtens freiwillig hierher begibt, muss einen triftigen Grund dafür haben.

Das Motiv für den Besuch im tiefsten Soho liegt verborgen hinter einer unscheinbaren Mauer am Ende der Hanway Street, und wem der schwarze Türsteher das schwere Portal öffnet, der betritt eine andere Welt: Eine graugrüne Steintreppe führt in die Tiefe. Rosa Orchideen zieren den Eingang, in einem Eimer treiben brennende Kerzen. Hier im Hakkasan, einer ehemaligen Tiefgarage, schlägt der gastronomische Puls Londons momentan am heftigsten.

Groß ist der Raum - so viel lässt sich auch im Halbdunkel feststellen - und unterteilt von geschnitzten Gittern mit Blumen- oder Kreismustern, einer Mischung aus indonesischen und nahöstlichen Elementen. An Figuren aus einem javanischen Schattenspiel erinnern die Kellner in ihren schwarzen Uniformen. Lichtspots lenken alle Aufmerksamkeit auf die dunklen Holztische, Schattenwellen laufen über die Wand aus grünem Schiefer hinter der Bar. Wohin man blickt - überall ahnt man die vier Millionen Pfund, die der französische Designer Christian Liaigre verbauen durfte. Geld, das der Inhaber Alan Yau gut angelegt hat: Seit der Eröffnung im Frühjahr stehen die Londoner Schlange für einen Platz in der luxuriösen Katakombe. So wie derzeit in keinem anderen In-Lokal der Trendstadt London.

Ob Swinging Sixties und Rockmusik oder Cool British Design - seit Jahrzehnten versteht es die britische Metropole, europaweit Lebensgefühl und Lebensstil ganzer Generationen zu prägen. Und auch in Sachen Gastronomie war der Schmelztiegel der Kulturen mit seinen zehn Millionen Einwohnern und den 29 Millionen Touristen pro Jahr immer Trendsetter: Hier gab es die ersten indischen Restaurants Europas. Hier fanden in den Siebzigern die amerikanischen Fast-Food-Ketten den Brückenkopf, von dem aus sie den Kontinent erschlossen. Hier wurden später die ersten Großraumrestaurants eröffnet. Wer wissen wolle, was und in welchem Ambiente übermorgen in Berlin oder Mailand gespeist wird, müsse heute nach London, heißt es.

Für jene, die ihr Geld in der Gastronomie verdienen, ist es lebenswichtig, Trends rechtzeitig zu erkennen. Deshalb fand sich eine Runde von Köchen, Architekten und Gastronomen aus Deutschland an der Themse ein, um herauszufinden, was es mit den dining events auf sich hat.

Das Entrée der gastronomischen Exkursion: die Coffee-Bars. Hunderte gibt es davon in London. Ein Dutzend von ihnen ist in der King's Road aufgereiht: Costa Coffee etwa, mit 250 Filialen Marktführer in Großbritannien. Oder Starbucks, der weltweite Branchenprimus aus den USA. Dazwischen Cafe Nero, Aroma, Coffee Republic. Überall zischen Kaffeemaschinen, gehen Becher mit Milch-, Zimt- oder Karamelkaffee über die Theken. Überall sitzen Menschen hinter breiten Glasfronten, lesen Zeitung, betrachten das Theater der Straße.

Kaffee, Bagels, Kuchen. Mit diesem simplen Rezept haben bereits über 800 Kaffeebars Erfolg. Und ihre Zahl nimmt zu. Auch in Deutschland sind die Tage der Filterbrühe längst gezählt. Ob in Hamburg, Nürnberg oder Berlin - Kaffee kommt heute als Espresso daher, ausgeschenkt in schlicht eingerichteten Snackbars, die Balzac, Café Einstein oder New World Coffee heißen und bald auch Starbucks. Denn die Coffeeshop-Kette eröffnet im nächsten Frühjahr in Berlin ihre erste deutsche Filiale.