Ob man sich wirklich wünschen soll, dass dieses Kino noch vor der Verfilmung von Patrick Süskinds Bestseller fertig wird? Ein Hauch aus Grenouilles Duftlabor? Die Blütenernte in der Provence? O ja! Doch was ist mit den anderen Szenen, die den Roman Das Parfum berühmt gemacht haben? Denen, die nach Menschenblut und Fischköpfen stinken? "Mit Ekelgerüchen muss man vorsichtig sein, ganz klar", gibt Georg Ortner zu. Trotzdem wäre das Filmprojekt für ihn die Herausforderung schlechthin. Ortner, selbst gelernter Parfümeur, plant seit einigen Jahren an einem Geruchskino und hat nach langem Ringen auch Investoren und Stadträte in Köln davon überzeugt, dass die Heimat des Eau de Cologne nicht ohne das auskommt, was der Erfinder "Duftkanal" nennt. Ende 2003 soll er fertig sein: ein flugzeugkörperähnlicher Bau am Kölner Rheinufer mit Platz für etwa 300 Menschen, Projektionsflächen und Lautsprechern an der Decke sowie reichlich Düsen, um die gezeigten Bilder olfaktorisch in Szene zu setzen.

Perfekte Illusion, wie vieles in der Welt der Düfte. Würde man glauben, dass sich Wohlgeruch irgendwo anders erschaffen ließe als in Paris oder Grasse? Dass sich die Elite der Parfümeure häufiger über Dieselkraftstoff und Toilettensteine beugt als über edle Riechwasser? "Parfüms sind die Kür, aber Gewinne werden woanders gemacht", sagt Katja Derow, Sprecherin bei Dragoco, einem der führenden Dufthersteller. Weil Düfte inzwischen nicht mehr nur im Badezimmerschrank zu Hause sind, wächst die Branche laut Derow jährlich um fünf Prozent.

In Holzminden ist das schon lange kein Geheimnis mehr. Holzminden? Ja, Holzminden. Die Duftmetropole Deutschlands. Ein Städtchen, wie von Märklin erbaut, im Bergland zwischen Paderborn und Salzgitter: 22 500 Einwohner, eine Post, ein Bahnhof, ein Hotel und zwei Fabriken. Dragoco und Haarmann & Reimer - kaum einer kennt die beiden Chemieunternehmen, und doch gehören sie zu den Top Ten im weltweiten Geschäft mit Düften und Aromen. Hier wird in großen grauen Fässern produziert, was später in kleinen Flakons verkauft wird.

Ist man etwa bei Haarmann & Reimer zu Gast, muss man damit rechnen, im Laufschritt an Vitrinen vorbeigeführt zu werden, in denen die Packungen mit Aufschriften wie Jil Sander, Paloma Picasso oder Cartier liegen. Die meisten Luxusartikelhersteller beschäftigen selbst keinen einzigen Parfümeur, aber sie wollen natürlich nicht, dass ihre Kunden das wissen. Deshalb ist für die Hersteller Verschwiegenheit Geschäftsgrundlage.

Wären Parfüms die einzige Einnahmequelle, hätten die Holzmindener vielleicht Grund zu klagen, weil das Geschäft mit den edlen Duftwässerchen derzeit wenig Freude macht. Normalerweise werden 30 Prozent der Feinparfümeriewaren auf Flughäfen in Duty-free-Läden verkauft. Doch seit den Attentaten in Amerika im September, so Bernd Schomann, Marketingmanager bei Haarmann & Reimer, sei dieser Markt "total eingebrochen". Die Leute fliegen kaum noch, und wenn sie es tun, haben sie andere Sorgen. Jetzt hofft die Branche auf Weihnachten, zusammen mit dem Muttertag die umsatzstärkste Zeit im Jahr (Schomann: "Wer nichts weiß, kauft ein Parfüm").

Auch die Mülltonne bekommt ihr eigenes Deodorant

Nahezu unbemerkt hat sich der Wohlgeruch inzwischen in fast alle Bereiche unseres Lebens eingeschlichen. Waschpulver und Putzmittel sind ohne Parfümierung undenkbar. Deodorants entfalten ihre geruchsbindende Wirkung nicht mehr länger nur unter menschlichen Achseln. Findige Haushaltsausstatter wie Swirl, Wolf oder Melitta haben auch anderen Geruchsquellen den Kampf erklärt. So gibt es das Deo für die Mülltonne, wahlweise in den Duftnoten "Orange" und "Limone". Dem typischen Staubsaugermuff sollen Patronen in "Citrus" und "Oceanfresh" ein Ende setzen. "Wochenlange Frische für Ihre Spülmaschine" verspricht die Drogeriemarktkette Rossmann den Käufern ihres Apfel-Frische-Deos.