Auch Verteidigungsminister Scharping kann Gottes Nähe kaum gespürt haben, als er am Rande der Nato-Tagung in Brüssel vor Journalisten über eine bevorstehende Militäraktion gegen Somalia plauderte. Es hagelte Zurechtweisungen - von US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ebenso wie aus dem deutschen Außenministerium: "Scharping verärgert die Amerikaner", schreibt die "Süddeutsche Zeitung", fast wortgleich titelt die "Welt". CSU- Chef Edmund Stoiber ist inzwischen ebenfalls in die Diskussion eingestiegen und fordert die Entlassung des auf Peinlichkeiten abonnierten SPD-Ministers: So einen wohlfeilen Punktgewinn darf sich der potentielle Kanzlerkandidat der Unionsparteien natürlich nicht entgehen lassen.

Der Weg zu einer Friedensregelung in Afghanistan beschäftigt Diplomaten und Politiker in New York und Kabul: "UN-Sicherheitsrat beschließt Afghanistan-Resolution", lesen wir in der "Frankfurter Allgemeinen". Eine "Schutztruppe mit robustem Mandat unter britischem Kommando" soll am Hindukusch für Ordnung sorgen. Das gefällt den Afghanen nur bedingt: "UN-Einigung in Kabul umstritten", berichtet die "Frankfurter Rundschau": Die afghanische Übergangsregierung sehe die Aufgabe der Friedenstruppen vor allem im humanitären Bereich. "Die Sicherheit liegt in der Verantwortung der Afghanen", zitiert das Blatt den designierten Verteidigungsminister der Übergangsregierung, Mohammed Fahim.

Daheim in Berlin hat derweil ein Stück politische Normalisierung stattgefunden. "Rot-Rot ist einig - Kritik von allen Seiten", so kennzeichnet der "Tagesspiegel" die Situation in der Bundeshauptstadt. Das "Handelsblatt" sorgt sich um die Versorgung im deutschen Luftraum: "Lufthansa-Tochter drückt auf die Konzernbilanz" - die "Sky Chefs", Weltmarktführer im Catering, verzeichnen massive Einbrüche, nachdem viele Fluglinien die Bewirtung auf Inlandsflügen komplett eingestellt haben.


Argentinien: Vernichtende Bilanz

Die wirtschaftliche und politische Krise in Argentinien hat viele Väter. Da sind zum einen die Argentinier selbst. Die "Welt" zitiert den verstorbenen Schriftsteller Jorge Luis Borges: "Was soll aus einem Land werden, in dem es mehr gilt, clever und verschlagen zu sein, als ehrlich und gebildet." Die Hybris der argentinischen Politiker beklagt der "Tagesspiegel". Zur "schönen neuen Welt" habe Argentinien unbedingt gehören wollen: "Jetzt ist es bankrott, 132 Milliarden Dollar Schulden erdrücken die Nation - weil sich die Politik verrechnet und den Menschen etwas vorgemacht hat."

"Die wirtschaftliche Führung Argentiniens hat mit ihren Bremsmanövern die wirtschaftliche Entwicklung derart stranguliert, daß eine Erholung anabsehbar geworden ist", schreibt auch Josef Oehrlein in der "Frankfurter Allgemeinen". Nach Jahren der Steuerverschwendung und Korruption unter Präsident Menem habe der ungeschickte Sparkurs der Regierung de la Rua bei gleichzeitiger Bindung des Peso an den Dollar keinen Fortschritt gebracht.

Doch für diese fehlgeleiteten Maßnahmen sind die Argentinier nicht allein verantwortlich: "Seit zehn Jahren [...] ist die argentinische Krise untrennbar mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) verbunden", schreibt Werner Balsen in der "Frankfurter Rundschau". In seiner lesenswerten Analyse skizziert er, wie der IWF das Land erst mit der Empfehlung, den Peso an den Dollar zu binden, in die Rezession trieb, um ihm dann mit seinen Sparauflagen endgültig wirtschaftlich die Luft abzuschneiden. Die Folge: "Überall zwischen dem Rio Parana im Osten und den Anden im Westen versuchen Menschen sich zu stehlen, was sie zum Überleben brauche. Dies ist die Bilanz der orthodoxen IWF-Konzepte. Sie ist vernichtend."