Unser Protest (der auch an dieser Stelle immer wieder erhoben wurde) hat geholfen! Es gibt endlich nicht mehr die unerträglichen Durchsagen in den Fernzügen, bei denen der Teamchef sich anschließend an die deutschen Mitteilungen in einem Kauderwelsch versuchte, die nur der für Englisch halten konnte, der diese Sprache nie zuvor gehört hatte: Wui erraif Henohver Dreck nein. Ach, welche Steigerung des Reisekomforts - und das ohne zusätzliche Kosten, im Gegenteil!

Soweit die gute Nachricht! Über die schlechte Nachricht wollen wir gar nicht erst sprechen - die grassierende Unpünktlichkeit vieler Züge -, sondern nur über den subtilen Niederschlag, die dieses Faktum in der Sprache der Teamchefs inzwischen gefunden hat. Ein zentrales Element der Ansagen in den ICEs, kurz vor der "Anfahrt auf" (manchmal - auch recht apart: "Anfahrt nach") den nächsten Bahnhof lautet etwa so: "Alle ihre vorgesehenen Anschlusszüge werden erreicht..." Die Rede ist also nicht (mehr) davon, dass wir einigermaßen pünktlich ankommen, sondern die oft berechtigte Sorge der Passagiere, dass dies fast selbstverständlich nicht der Fall sein wird, wird vorbeugend dergestalt aufgenommen, dass ihnen, so das irgend möglich ist, versichert wird: Aber ihre Anschlusszüge bekommen sie doch noch…

Soweit der linguistische Erfahrungsbericht aus dem Alltag eines Vielreisers. Der Rapport soll aber am Jahresende nicht abfällig wirken. Deshalb noch das Geständnis angefügt: Das System Bahn erscheint bisweilen als absonderlich - bei den einzelnen Mitarbeitern der Bahn in den Zügen fühlte ich mich in letzter Zeit gut aufgehoben. Keine Beschwerde soweit. Oder wie man in meiner württembergischen Heimat zu sagen pflegt: Net g'schimpft isch scho g'nug g'lobt!

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