Der Wachwechsel vollzieht sich schmucklos. Kein Sektempfang, keine Reden. Am 1. Januar kommt es im Hamburg-Berliner Zeitungshaus Springer gleichwohl zu einem denkwürdigen Neubeginn. Mathias Döpfner, 38, übernimmt vom bisherigen Amtsinhaber, dem 64-jährigen August "Gus" Fischer, den Vorstandsvorsitz bei dem traditionsreichen Pressegiganten.

Ein routinemäßiger Start in schweren Zeiten. Erstmals in der gut 50-jährigen Geschichte des Verlags von Bild und Bild am Sonntag, Welt, Welt am Sonntag und Hörzu werden in diesem Jahr rote Zahlen geschrieben - vermutlich in zweistelliger Millionenhöhe. Die Ursachen sind bei weitem nicht allein die Widrigkeiten, die in diesem Jahr die gesamte Branche plagen: hohe Papierpreise und eine ungewohnt drastische Werbeflaute. Springer hat eine Menge hauseigener Probleme angehäuft.

So verzettelten sich die Zeitungsstrategen in einem Kleinkrieg mit dem norwegischen Schibsted-Konzern, der Springers Bild mit Gratisblättern angreifen wollte. Mit einem Millioneneinsatz verteidigte Springer sein Heimrecht, der Konkurrent gab auf. Bereits ein Jahr nach dem Start musste die Welt jetzt in München ihren Lokalteil aufgeben, weil "Anzeigen- und Auflagenerwartungen sich nicht erfüllt haben", so Verlagssprecherin Edda Fels. Die von Mathias Döpfner forcierten Investitionen in die New Economy, so betont Fels dagegen, hätten keinesfalls zu den roten Zahlen beigetragen. Für diesen Bereich war Döpfner im Juli 2000 aus der Chefredaktion der Welt in den Vorstand aufgerückt.

Unverdrossen weiter investiert

Vor allem aber haben es die späten Nachfolger von Axel Springer versäumt, die Redaktionen auf karge Zeiten zu trimmen - das gilt gleichermaßen für den Vorstand wie für den Aufsichtsrat mit Verlegerwitwe Friede und Leo Kirch an seiner Spitze. Unverdrossen wurde in einen Neubau am Berliner Standort investiert. Und während andere Verlage längst auf die Kostenbremse traten, blieben bei Springer die Redaktionen unangetastet. Ehrenwert zwar, aber teuer. Die Etats für "Redaktionen und Honorare explodierten", so Verlagssprecherin Fels.

Die Welt, publizistisches Flaggschiff und einst erklärtes Lieblingsblatt von Axel Springer, war seit 1998 unter der Chefredaktion von Mathias Döpfner zwar bei der Auflage, im Anzeigengeschäft, vor allem aber in seinem Ansehen deutlich vorangebracht worden - bezahlt freilich mit erheblichen Investitionen. Das Blatt, das Springer noch selbst von seinem angestammten Platz Hamburg in die damalige Hauptstadt Bonn zwangsversetzte, folgte der Regierung nach der Wende auch nach Berlin. Doch am heftig umkämpften Zeitungsmarkt an der Spree fehlt dem Blatt der Heimatgeruch - das lokale Anzeigengeschäft geht an der Welt vorbei. Im überregionalen Geschäft stehen Frankfurter Allgemeine und Süddeutsche ohnehin weit vor dem Springer-Blatt. Die Folge: Die Welt schleppt pro Jahr Branchenschätzungen zufolgeinzwischen Verluste von gut 100 Millionen Mark vor sich her und gefährdet so auf Dauer den gesamten Verlag.

Aber ausgerechnet in Zeiten, in denen Krisenmanagement gefragt war, stand dem Verlagshaus ein Vorstandschef vor, welcher der Branche eher fremd war und vor allem durch Tatenlosigkeit von sich reden machte. Die vier Jahre Fischer, der sich freilich zuletzt eines ungewöhnlichen Salärs samt Prämien von 23 Millionen Mark erfreuen durfte, kann der angeschlagene Verlag abschreiben - weitgehend verloren.