Auch wenn fast jedes Kind die Geschichte von den Nasenküssen der Eskimos kennt, ist doch in der ethnologischen Fachliteratur erstaunlich wenig darüber zu finden, sagt der Inuit-Experte Jean-Loup Rousselot. Aber er bestätigt, dass er die Nasenreib-Rituale schon auf seinen Reisen in die Arktis beobachtet hat.

Eine besondere rituelle Funktion scheint der Nasenkuss bei den Eskimos jedoch nicht zu haben, anders als etwa bei den neuseeländischen Maori. Es ist eher eine flüchtige Geste, am ehesten vergleichbar mit unseren tatsächlichen oder angedeuteten Wangenküssen. Ein möglicher Ursprung: Wenn in der Kälte der Arktis fast das gesamte Gesicht vermummt ist, dann bleibt für den Körperkontakt fast nur noch die vorstehende Nase.

Das Nasenreiben "ersetzt" also nur den Begrüßungskuss und hat keine besondere erotische Komponente. Welche Liebesbeweise Eskimomann und -frau in der Abgeschiedenheit ihres Iglus austauschen, darüber sagen uns die Völkerkundler nichts. Christoph Drösser

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