Haben die Deutschen dort eine besondere Rolle zu spielen wegen ihrer historisch engen Verbindung zu Afghanistan?

Ich bin immer gegen besondere Rollen von Deutschen.

Es gibt ja sogar Stimmen von afghanischer Seite, die sagen, die Deutschen sollten doch wegen der ganz frühen Verbindung eine herausragende Rolle spielen.

Also, die Deutschen sollen ihre Rolle spielen. Und wenn sie das angemessen tun, dann kann sich das später als herausragend herausstellen. Aber ich halte nichts davon, gewissermaßen vorher ein Preisschild anzubringen und zu sagen, unser Preis ist höher, unsere Ware ist besser, unsere Leistung größer. Hernach wird sich schon herausstellen, wer welche Rolle gespielt hat.

Es gibt ja noch keine europäischen Streitkräfte. Sie sind in Planung bzw. im Aufbau. Spielt in dieser Auseinandersetzung plötzlich der Nationalstaat wieder eine größere Rolle?

Es hat einige Tage lang diesen Eindruck gegeben. Und das ist für mich der Eindruck von einem Defizit. Denn wir müssen dazu kommen, dass es eine europäische Außen- und Sicherheitspolitik gibt. Die existiert so noch nicht. Wir sind auf dem Weg dorthin. Ich vermag nicht zu sagen, wie lang diese Wegstrecke noch sein wird. Ich halte zweierlei für gute Entwicklungen: Das eine ist die Bereitschaft der Nato, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik mit der EU zu konzipieren – Stichwort Solana, auch Stichwort Naher Osten. Das andere ist die Stärkung der Vereinten Nationen. Denn dass hier eine Weltordnungsmacht entsteht, die dann eines Tages auch wirklich Macht hat, das muss eigentlich das Hauptergebnis dessen sein, was jetzt geschieht.

Davon sind wir doch noch sehr weit entfernt.