Wir sind sehr weit entfernt. Aber wir waren im August weiter davon entfernt als jetzt.

Das heißt, durch den 11. September hat es eher einen Anstoß gegeben zu dem, was Sie am Anfang Multilateralismus genannt haben, sowohl auf dem Weg einer europäischen Außenpolitik, einer wirklich gemeinsamen NATO-Politik und auch der Vereinten Nationen. Sehen Sie da Fortschritte auf diesem Weg?

Ich sehe eindeutig Fortschritte. Aber ich bin dieses Weges noch nicht sicher. Ich weiß nicht, ob nicht eines Tages wieder nationale Töne überwiegen werden. Und ich kann nur sagen, da muss unser deutscher Beitrag sein, zur Internationalisierung beizutragen und zu helfen. Und ich glaube, dass Bundesregierung und Opposition das wollen.

Man könnte viele Rückschläge aufzählen. Die Amerikaner haben sich im abgelaufenen Jahr vom Kyoto-Protokoll distanziert, sie sind nicht für einen Internationalen Strafgerichtshof. Sie gehen ihren eigenen Weg bei Landminen, bei biologischen Waffen usw. Also, die von Ihnen erhoffte Stärkung des Multilateralismus, soweit Amerika betroffen ist, kann ich eigentlich nicht erkennen.

Ich kann sie erkennen, aber ich beklage mich eben, dass sie so gering ist und dass sie noch nicht stärker ausgeprägt ist, als wir das in diesen Wochen und Monaten erfahren. Aber auch da rate ich, die Zeit vor dem 11. September zu sehen und die Zeit danach, um zu hoffen, dass dieses Pflänzchen wächst.

Haben Sie Anhaltspunkte dafür, dass es so etwas gibt wie einen Bewusstseinswandel der Amerikaner und ein anderes Verhalten der Amerikaner?

In den Gesprächen, die ich in New York und in Harvard geführt habe, wurde das ganz deutlich. Aber ich gestehe Ihnen, und deshalb habe ich zu Anfang von der Kränkung des amerikanischen Nationalgefühls gesprochen, es gibt auch immer neben diesem Cantus Firmus diese zweite Stimme, die in New York von "Capital of the World" spricht und die nur von der Nation spricht und nur von Amerika. Ich glaube, wir können mithelfen, dass wir hier zu einer farbigeren und realistischeren Einschätzung kommen, wenn wir die Partner der Amerikaner sind. Und ...