Wer wie ich kurz vor seinem 80. Geburtstag steht, hat in seinem Leben eine Menge Träume gehabt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Einige haben sich erfüllt, viele sind vergessen, andere werde ich wohl mit ins Grab nehmen.

Eine Sache wollte ich mehr als alles andere auf der Welt, konnte sie aber nie verwirklichen. Es ist mein größtes Versäumnis, meine größte Frustration, kein Opernsänger geworden zu sein. Seit meiner Jugend träume ich davon. Ich liebe diese Musik, diese wunderbaren Stimmen. Und ich kann singen. Mir liegt es im Blut, in den Genen: Einige meiner Verwandten waren und sind Opernsänger, und zwar sehr gute.

Ich hatte sogar die Möglichkeit, diese Laufbahn einzuschlagen, habe sie aber nicht wahrgenommen. Nicht wahrnehmen können - weil ich es mir nicht leisten konnte. Ende der vierziger Jahre entdeckte der skandinavische Startenor Jussi Björling auf einer Party in Stockholm mein Talent; daraufhin wurde mir die Ausbildung an einer renommierten Gesangsschule in Stockholm angeboten. Aber ich hatte nicht die Mittel. Mein Stiefvater war bankrott gegangen, und ich musste Geld verdienen.

Noch heute kann ich in fünf verschiedenen Sprachen akzentfrei singen. Sprachen habe ich schon immer beinahe genauso geliebt wie Musik. Es fällt mir leicht, fremdsprachige Texte zu lernen. Ich habe sogar eine Platte aufgenommen, auf der ich neben italienischen Arien auch Stücke von Wagner und aus der Dreigroschenoper singe. Mackie Messer zum Beispiel, ein Lied, das man ein wenig gepresst, wie ein Gangster, singen muss, damit es seine ganze Wirkung entfaltet.

Nichts in meinem Leben bedaure ich so sehr, wie das große Geschenk meines Gesangstalents nicht genutzt zu haben. Auf der anderen Seite: Wäre ich Opernsänger geworden, wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre? Und was würde ich jetzt tun? Mit 80 würde ich wohl nicht mehr auf der Opernbühne stehen, und Ruhestand ist eine schreckliche Vorstellung. Ich wünsche mir sehr, dass ich nie das Gefühl haben werde, meiner Arbeit nicht mehr gewachsen zu sein. Zugegeben, den physischen Ansprüchen meines Berufes zu genügen wird mit den Jahren immer schwieriger. Im Alter wirst du einfach schneller müde, hast dann keine Energie, und ohne Energie ist keine überzeugende Darstellung möglich.

Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich einen bösen Unfall, beinahe hätte ich zwei Finger verloren. Ich übernachtete in einem Hotel in Singapur. Es war die erste Nacht in einem fremden Raum, es war dunkel, und ich litt unter Jetlag. Mitten in der Nacht wurde ich wach und musste ins Bad, wusste aber nicht, wo sich der Lichtschalter befand. Ich wollte meine Frau nicht wecken, also stand ich auf und tastete mich durch das Zimmer. Ich fiel, suchte Halt mit den Armen und blieb mit der Hand in einer scharfen Türkante stecken. Links wurden zwei Finger aufgerissen, Fleisch und Sehnen zerschnitten, die Knochen traten heraus.

Die Operation hat zwei Stunden gedauert, und es wächst nur langsam wieder zusammen. Die Nägel sind grau, und ich kann die Finger immer noch nicht richtig bewegen. Drei Tage nach diesem Unfall begannen in Neuseeland die Dreharbeiten zu Der Herr der Ringe. Ich arbeitete mit bandagierten Händen, ständig tropfte das Blut durch die Verbände. Die Arbeit als Schauspieler ist schon anstrengend genug, wenn du bei bester Gesundheit bist. Aber wenn du alt bist und einen schlimmen Unfall hinter dir hast, dann ist es eine Tortur. An sechs Tagen in der Woche drehten wir zwölf oder dreizehn Stunden lang. Vor allem die Kampfszenen waren hart. Dann folgten die Dreharbeiten zu Star Wars. Wieder endlose Drehtage und aufreibende Kampfszenen.