Morgen, Tyrone!", brüllt der Kauenwärter vom Gang aus durch die halb geöffnete Tür zum Chefbüro, "lass uns für die Klos ab sofort Papierrollen statt Tissues bestellen!"

"Wieso das denn?", ruft Tyrone zurück.

"Rollen sind billiger!"

"Dann bestell von jetzt an eben Rollen!"

"Das müsstest du aber dem Lieferanten bestätigen, Tyrone!"

Tyrone O'Sullivan verdreht die Augen. Da ist er nun Chef einer Firma mit 300 Mann und 20 Millionen Pfund Jahresumsatz und muss entscheiden, womit seine Leute sich den Hintern abputzen. "Diese Klos sind das Letzte", knurrt er, während er in seinem Uralt-Organizer die Telefonnummer des Lieferanten sucht, "kein Mensch fühlt sich dafür verantwortlich, dass da sauber gemacht wird." Jetzt hat er die Nummer gefunden, wählt. "Tyrone hier, Zeche Tower. Also, wir nehmen ab sofort Klopapierrollen statt Tissues, okay? - Rollenhalter? Ja, brauchen wir auch, zehn Stück, oder nee, sechs reichen, für jedes Klo einen."

Das Kohlenbergwerk Tower ist ein ganz außergewöhnliches Unternehmen. Schon seinen Standort zu beschreiben fällt schwer. "Im südwalisischen Kohlerevier" hätte man vor 15, 20 Jahren gesagt, als es in den engen Tälern zwischen Cardiff und Merthyr Tydfil noch einige Dutzend Schachtanlagen gab. "Kohlerevier" wäre jetzt der falsche Begriff. Tower, zwei Kilometer außerhalb des tristen Städtchens Hirwaun auf ödem Hügelland gelegen, ist die letzte verbliebene Zeche in Südwales, als Einzige hat sie die Stilllegungswelle nach dem langen, bitteren Bergarbeiterstreik der Jahre 1984/85 überlebt.