1874 machte der Chemiker Wilhelm Haarmann eine Entdeckung, die die Weihnachtsbäckerei bis heute prägt: Er stellte fest, dass sich aus Tannennadeln ein vanilleähnliches Aroma gewinnen lässt. Statt der teuren Schoten kauften immer mehr Hausfrauen das billige "Vanillin". So wurde aus dem Labor im niedersächsischen Holzminden eine Firma: Haarmann & Reimer. Seit das Unternehmen 1954 vom Leverkusener Bayer-Konzern übernommen wurde, ist es kräftig gewachsen. Neben einem Sortiment an Aromen und Duftstoffen mischt H&R auch Parfüms für Jil Sander und andere internationale Luxusgüterhersteller.

Wettbewerber: Dragoco (zufällig ebenfalls aus Holzminden), die Schweizer Anbieter Givaudan und Firmenich sowie Quest aus Großbritannien. Das US-Unternehmen International Flavors & Fragrances (IFF) ist derzeit Marktführer.

Das könnte sich ändern. Der Bayer-Konzern - durch Konjunkturschwäche und Arzneidebakel in der Krise - braucht Geld und klare Strukturen. Deshalb will er sich von der Tochter trennen.

Darauf haben die Wettbewerber gewartet. Vor allem einer: Givaudan. Gut ein Jahr nach dem Börsengang ist die Gelegenheit für die ehemalige Roche-Tochter günstig. Die Schweizer schwimmen im Geld. Schon bei Vorlage der ersten Bilanz im März klagte Givaudan-Chef Jürg Witmer über die Eigenkapitalquote, die mit 60 Prozent viel zu hoch sei und durch eine Akquisition gesenkt werden müsse.

Um dieses Problem würde ihn sicher so mancher Manager beneiden.

Eine Übernahme würde außerdem Produktpalette und Kundenkartei vergrößern.

Gleichzeitig könne das Unternehmen künftig noch Kosten sparen, indem es "Überlappungen" im Vertrieb beseitige, sprich: Verkäufer entlasse, erklärt Beat Alpiger vom Bankhaus Julius Bär. Der Schweizer Branchenexperte nennt auch noch ein anderes Motiv, das Givaudan bewegen könnte: verletzter Stolz.Bis vor kurzem war Givaudan nämlich die Nummer eins auf dem Duftstoff- und Aromenmarkt. Dann stieg das US-Unternehmen IFF durch eine Übernahme an die Spitze auf.