HERLINDE KOELBLS AUTOGRAMMKARTEN-KRITIK FOLGE 9:

HERMANN MAIER, SKIFAHRER

Fast könnte man Angst bekommen vor der unbändigen Kraft, Besessenheit und Aggression im Gesicht von Hermann Maier. Nichts anderes existiert mehr in der Welt in diesen Minuten der Abfahrt als das Gewinnen, der Erste zu sein.

Dynamisch, seine Knie schon in der Waagerechten, den Körper in der Diagonale, rast er den anderen davon. Ich bin zum Sieg geboren, wollte immer der Beste sein. Doch zuerst schien es nicht so. Erst hatte er Knieprobleme, war den sportlichen Anforderungen nicht gewachsen, musste Nichtbeachtung und Niederlagen hinnehmen. Doch der absolute Wille, Beschränkungen nicht hinzunehmen, machte ihn dann doch zum Superstar, zum: HERMINATOR. Die Werbung entdeckte einen neuen Liebling und schüttete ihren Geldsegen über dem ehemaligen Maurer aus. Machte ihn zum Großverdiener und seine Autogrammkarte bunter. Dominant ist seine Signatur. Er benutzt sie zusammen mit dem Skistock als gegenläufige Diagonale zu seinem Körper. Selbstbewusst unterschreibt er darauf gleich zweimal mit seinem Allerweltsfamiliennamen Maier, mit einem Schwung, in dem der Kampfgeist des Überdurchschnittlichen nicht zu übersehen ist. Dieser Kampfgeist wird ihm auch helfen, nach der schweren Verletzung, den anderen wieder davonzufahren.

Herlinde Koelbl ist Porträtfotografin. Zuletzt erschien von ihr das Buch zu ihrem Fernsehfilm Die Meute