Eine breite Treppe führt hinauf ins Restaurant Bluebird, das die Grundmuster fast aller Conran-Etablissements aufweist. Ein gewaltiges Stillleben aus Seespinnen, Austern und Scampi schmückt die hintere Wand - fast ein Spiegelbild des darunter thronenden, opulent beladenen Seafood-Altars. Und durch eine breite Glasfront kann man die an Chromherden wirbelnden Köche beobachten. Wer immer auch in den weiten, übersichtlichen Saal eintritt, hat seinen Auftritt!

An diesem Samstagabend sind alle 240 Plätze besetzt. Serviert wird: Rukolasalat mit Speck und Jakobsmuscheln - nicht übel. Der Seebarsch mit Pernodbutter - auf den Punkt. Die Kaninchenkeule - saftig wie selten. Keine verblüffend neuen Entdeckungen, aber gekonnt modifizierte mediterrane Küche.

Bene.

Conran hat Maßstäbe gesetzt - doch die foodies, jene stets auf Neues erpichten Szene-Gourmets, sind inzwischen weitergezogen. Deshalb lässt der 70-Jährige das Bluebird umbauen: Bereiche werden abgetrennt, eine große Bar entsteht, ein Pianist soll Jazz spielen.

Fernöstlich muss es heute sein. Und auch dieser Trend ist mit einem Namen verknüpft: Alan Yau. Der gebürtige Hongkonger betreibt Edellokale wie das Busaba Eathai und das Hakkasan. Und er schenkt simple Suppe aus. Zwar köcheln die meisten der vor wenigen Jahren hochgejubelten Suppenrestaurants Londons inzwischen auf kleinerer Flamme - Yaus Wagamama-Kette aber boomt.

Das Wagamama in Kensington, eines von acht in London, erinnert an den Speiseraum eines asiatischen Klosters. Helles Holz, rechteckige Formen, lange Tische. Zur Straße hin Sprossenfenster, gegenüber die offene Küche aus Edelstahl. Direkt von einem tragbaren Miniterminal funkt der Kellner die Bestellung in die Küche

acht, neun Minuten und schon steht die seafood ramen auf dem Tisch: Nudeln in Brühe, frisch aufgegossen, ein paar Tintenfischscheiben, Pilze, eine Garnele, eine Hand voll Korianderblätter - schnell ist die Plastikschüssel mit Glasurdekor leer gelöffelt. Satt und mit der Genugtuung, frisch, leicht und lecker gegessen zu haben, kehren die Kunden zurück in ihre Citybüros. Gespeist wird abends. Mittags geht es darum, den Motor am Laufen zu halten. Japanische Nudelsuppe zum Mittag gibt es bald auch in Berlin. Das Wagawama kommt an die Spree.