Dass sich manche Prognosen nur deshalb erfüllen, weil man sie immer wieder propagiert, kann die Deutsche Post nicht bestätigen. Der Versand von Briefen und Postkarten sei im Zeitalter des Internet und der elektronischen Post out, war und ist immer wieder zu hören. Weit gefehlt. Beförderte der Gelbe Riese 1996 noch 16 Milliarden Briefsendungen im Jahr, werden - zur großen Freude von Postchef Klaus Zumwinkel - inzwischen 21,7 Milliarden Schreiben ganz traditionell auf die Reise geschickt. Im Durchschnitt entfallen auf jeden Einwohner also insgesamt 265 Briefe im Jahr, allerdings nur statistisch betrachtet. Denn der größte Teil der Sendungen besteht heute aus geschäftlicher Korrespondenz.

Genüsslich verweist die Post darauf, dass der Historiker Georg Steinhausen schon 1889 den Niedergang des deutschen Briefs prophezeite. Damals beflügelte vor allem das Telefon derlei Fantasien. Doch was Steinhausen seinerzeit beschwor, lässt noch immer auf sich warten. Aber Vorsicht, Herr Zumwinkel: Was nicht ist, kann noch werden. Denn so manche Prognose braucht eben ihre Zeit, bis sie wirklich eintrifft.