Sie misstrauen dem Ausland

Die Begeisterung, die unmittelbar nach dem Ende des Taliban-Regimes in Kabul ausgebrochen war, ist verflogen. Ungewissheit herrscht, die vor allem die Frauen plagt. Sie haben am meisten unter den Taliban gelitten, aber sie erinnern sich auch sehr genau an deren Vorgänger: die Mudschahidin, die das Land in Chaos und Gewalt gestürzt hatten und die nun wieder an der Macht sind. Damals gehörten Vergewaltigungen, Raub, Mord und Korruption zum Alltag.

Das sind Wunden, die offen geblieben sind.

Unterdrückung und Diskriminierung über Jahrzehnte haben die Frauen Kabuls jedoch nicht verstummen lassen. Gleich nach der Flucht der Taliban sind sie aus dem Verborgenen aufgetaucht und haben ihre Forderungen gestellt: Recht auf Bildung und Arbeit und eine Aufhebung des Schleierzwangs. Die Demonstrationen, die der Verband afghanischer Frauen organisierte, sind jedoch von den neuen Herren aus "Gründen der Sicherheit" verboten worden.

Offensichtlich fühlen sich auch die Mudschahidin von den Frauen bedroht

deren Initiativen verstehen sie als Provokation. Die Demonstrationen hätten vor dem Sitz der Vereinten Nationen stattfinden sollen, weil die Frauen vor allem auf die internationale Gemeinschaft setzen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Tatsache, dass in der Übergangsregierung jetzt zwei Frauen sitzen, ist dem internationalen Druck zu verdanken. Die Popularität von König Zahir Schah erklärt sich damit, dass er in den Jahren der Monarchie versuchte hatte, den Frauen ihre Rechte zu garantieren. Sein Vorgänger König Amanullah hatte schon 1928 die religiösen Führer herausgefordert, als er die Bildung für Frauen förderte und den Schleierzwang abschaffen wollte. Schließlich musste Amanullah Ende 1928 vor dem Aufstand konservativer Mullahs und Stammesführer nach Italien fliehen - wo 1973 auch sein Nachfolger Zahir Schah Zuflucht suchte.

Die Taliban haben Wirtschaft und Institutionen zerstört. Schlimmer noch ist, dass die Kleinkriege zwischen den Ethnien und den Warlords nahezu alle Chancen auf Kompromisse zunichte gemacht haben. Die Petersberger Verhandlungen sind vor diesem Hintergrund zwar schon ein Erfolg. Inwieweit das Abkommen jedoch in Afghanistan Bestand haben kann, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.