Die Frauenorganisationen, jene innerhalb und auch die außerhalb des Landes, haben im Gegensatz zu allen anderen Gruppierungen versucht, ethnische und kulturelle Vielfalt aufrechtzuerhalten. Sie haben den Luftkrieg der USA befürwortet. Doch viele bleiben misstrauisch gegenüber dem Willen des Auslands, Afghanistan wirklich zu helfen. Der Grund liegt in der Vergangenheit. Als die Sowjets 1979 in Afghanistan einmarschierten, mobilisierte der Westen alle möglichen Ressourcen, um die Mudschahidin zu unterstützen. Kaum war die Rote Armee abgezogen, überließ er Afghanistan sich selbst.

Die Folge war eine verlustreiche Isolation. Auch dabei haben die Frauen den höchsten Preis bezahlt. Sie waren in einer doppelten Falle: Innerhalb eines vergessenen Landes und hinter der Burka. Wie verheerend die psychischen Folgen noch immer sind, machen Gespräche mit Frauen aus den unterschiedlichsten Schichten deutlich. Am meisten trauen sich jene zu, die ohnehin nichts zu verlieren haben. Die ersten Frauen, die ihre Burka ablegten, waren die Bettlerinnen vor der Großen Moschee von Kabul. Die meisten anderen wagen das immer noch nicht. Aus Gründen der Sicherheit, sagen sie. Alle warten weiter darauf, wie sich die Lage entwickeln wird. Für manche ist die Entscheidung, die Burka abzulegen oder weiterzutragen, nicht nur eine Frage der Opportunität - die Verschleierung ist zur zwanghaften Notwendigkeit geworden, um den eigenen Körper zu verstecken. Vielen Frauen hat das Regime der Taliban eine Angst eingepflanzt, die sie verinnerlicht haben. Sie sind überzeugt, dass sie Sicherheit nur über die Auslöschung ihrer Weiblichkeit erreichen können. Dennoch haben Burkas in den vergangenen Wochen auf den Märkten kaum mehr Absatz gefunden. Die Geschäftsleute sagen, dass sei nur eine Folge des Fastenmonats Ramadan. Der ist jetzt zu Ende. Damit werde sich auch die Burka wieder gut verkaufen, behaupten jedenfalls die Händler in Kabul. Und der Handel ist Männersache in Afghanistan.

Aus dem Italienischen von Ulrich Ladurner